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TrueNAS auf ARM-Prozessoren: Zukunft des energieeffizienten Storage

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TrueNAS auf ARM-Prozessoren: Zukunft des energieeffizienten Storage

Die ARM-Architektur hat sich in den letzten Jahren vom Smartphone-Chip zum ernstzunehmenden Server-Prozessor entwickelt. AWS Graviton, Ampere Altra und Apples M-Serie zeigen, dass ARM-basierte CPUs in vielen Workloads mit x86-Prozessoren gleichziehen oder sie sogar übertreffen — bei deutlich geringerem Stromverbrauch. Für Storage-Systeme, die rund um die Uhr laufen, ist Energieeffizienz ein entscheidender Faktor.

Wichtig: TrueNAS SCALE läuft auf ARM-Plattformen bislang nur über eine inoffizielle Community-Fork; iXsystems hat offiziellen ARM-Support in Version 26.04 in Aussicht gestellt. Produktive Einsätze sind damit aktuell ein Early-Adopter-Thema und kein Enterprise-Standard.

Warum ARM für Storage?

Storage-Server haben ein besonderes Lastprofil. Sie verbringen den Großteil ihrer Zeit mit I/O-Operationen, nicht mit rechenintensiven Aufgaben. Die CPU wartet auf Festplatten, SSDs oder das Netzwerk. Für dieses Profil bieten ARM-Prozessoren entscheidende Vorteile:

  • Niedrige TDP: Ein Ampere Altra Q80-33 hat 250W TDP und verbraucht laut Phoronix-Messungen im Schnitt 180-220W — deutlich weniger als die Peak-Angabe. Ein Dual-Xeon-Silver-Setup liegt unter Last typischerweise bei 300-400W.
  • Viele Cores: Mehr parallele Threads für gleichzeitige SMB/NFS-Verbindungen
  • Geringere Wärmeentwicklung: Weniger Kühlungsaufwand, leiserer Betrieb
  • PCIe-Lanes: Ampere Altra bietet 128 PCIe-Gen4-Lanes — ideal für viele NVMe-SSDs

Für ein NAS, das 24/7 läuft, summiert sich der Stromunterschied über ein Jahr zu einer spürbaren Differenz. Die konkrete Ersparnis hängt stark von Auslastungsprofil, Plattenzahl und lokalem Strompreis ab — pauschale Jahreskosten-Zahlen sind irreführend.

Unterstützte ARM-Hardware

Ampere Altra / Altra Max

Die Ampere Altra-Plattform ist derzeit die vielversprechendste ARM-Basis für TrueNAS:

EigenschaftAmpere Altra Q80-33Ampere Altra Max M128-30
Cores80128
Taktfrequenz3,3 GHz3,0 GHz
TDP250W250W
PCIe-Lanes128x Gen4128x Gen4
RAMDDR4-3200 ECC, 8 KanäleDDR4-3200 ECC, 8 Kanäle
Max. RAM4 TB4 TB

Verfügbare Server-Plattformen mit Ampere Altra umfassen den GIGABYTE R282-Z96, den Supermicro Ampere-Serien und den HPE ProLiant RL300. Diese Systeme bieten ausreichend PCIe-Slots für HBAs, Netzwerkkarten und NVMe-SSDs.

Raspberry Pi 5 (Experimentell)

TrueNAS lässt sich experimentell auf dem Raspberry Pi 5 betreiben. Das ist für Produktivumgebungen nicht geeignet, aber zum Testen und Lernen interessant:

  • CPU: Broadcom BCM2712, 4x Cortex-A76 @ 2,4 GHz
  • RAM: 8 GB LPDDR4X (kein ECC)
  • Storage: USB 3.0 oder PCIe-zu-NVMe-Adapter (1x PCIe Gen3)
  • Netzwerk: 1 GbE (kein 10G)

Die Einschränkungen sind offensichtlich: Kein ECC-RAM, nur USB-Storage oder eine einzelne NVMe, begrenztes RAM. Für ein Heim-NAS mit 2-4 Platten an einem USB-3.0-Hub funktioniert es — für mehr nicht.

NVIDIA Jetson Orin (Community-Builds)

In der Community gibt es Experimente mit NVIDIA Jetson Orin-Modulen. Der Vorteil hier ist die integrierte GPU, die für Transcoding oder AI-gestützte Datenklassifizierung genutzt werden könnte. Offizielle Unterstützung gibt es jedoch noch nicht.

Performance: Was öffentliche Benchmarks zeigen

Eigene TrueNAS-Benchmarks auf identischer Hardware sind derzeit noch rar — die Community-Fork ist jung, und iXsystems veröffentlicht bisher keine offiziellen Vergleichswerte. Was sich aus generellen CPU- und Workload-Benchmarks ableiten lässt:

  • SPECrate 2017 Integer: Laut Ampere Computing liegt der Altra Q80 bis zu 2,4-fach vor einem Intel Xeon 8280 und leicht vor dem AMD EPYC 7742.
  • NGINX (Webserver-Workload): Altra liefert laut gleicher Quelle rund 14 % höheren Durchsatz als ein EPYC 7742.
  • Memcached: Bis zu 29 % höhere Performance bei vergleichbarer Latenz gegenüber EPYC 7742.
  • Praxisbericht Homelab: Jeff Geerling beschreibt in TrueNAS on Arm is finally a thing einen funktionierenden Altra-basierten TrueNAS-Aufbau mit ZFS-Replikation — stabile Dauerläufe, aber (noch) keine veröffentlichten Durchsatz-Zahlen.

Was daraus für Storage-Workloads folgt:

  • I/O-dominierte Profile (SMB/NFS mit vielen Clients) passen gut zu ARM, weil die Engpässe an Netz und Disks liegen — nicht an der CPU. Die hohe Corezahl der Altra-CPUs hilft bei vielen parallelen Sessions.
  • Single-Thread-intensive Tasks (z. B. eine einzelne iSCSI-Session für eine Datenbank) profitieren weiterhin von der höheren Single-Core-Performance moderner Xeon/EPYC-Generationen.
  • Belastbare eigene Durchsatzzahlen für TrueNAS auf ARM werden erst mit dem offiziellen 26.04-Release breit verfügbar sein. Wer heute evaluieren will, sollte TN-Bench oder fio auf der eigenen Wunsch-Hardware laufen lassen.

ZFS auf ARM: Besonderheiten

ZFS funktioniert auf ARM grundsätzlich gut, aber es gibt Punkte zu beachten:

ARC-Cache und RAM

ZFS nutzt den ARC (Adaptive Replacement Cache) aggressiv. ARM-Server mit DDR4/DDR5 bieten identische Bandbreite wie x86-Pendants. Der ARC-Cache profitiert von den 8 Speicherkanälen des Ampere Altra — mehr Bandbreite bedeutet schnellere Cache-Fills.

RAIDZ-Erweiterungen

Die RAIDZ-Expansion-Funktion in TrueNAS funktioniert auf ARM identisch zu x86. Die Parity-Berechnungen sind nicht architekturspezifisch und laufen über OpenZFS.

Scrubs und Resilver

ZFS-Scrubs und Resilver-Operationen berechnen Checksummen über alle Datenblöcke und skalieren gut mit der Core-Zahl. Auf einem 80-Core-Altra verteilt sich diese Last daher auf deutlich mehr Kerne als auf einer typischen Xeon-Silver-CPU — die Wanduhrzeit bis zur Fertigstellung ist in der Praxis aber meist durch die Platten-I/O begrenzt, nicht durch die CPU. Konkrete Vergleichswerte hängen stark von Pool-Geometrie, Fragmentierung und Disk-Typ ab.

Verschlüsselung

ZFS-native Encryption nutzt AES-256-GCM. Ampere Altra unterstützt AES-Beschleunigung (ARMv8 Crypto Extensions), sodass die Performance identisch zu x86 mit AES-NI ausfällt.

Energieeffizienz im Dauerbetrieb

Ein Storage-Server läuft 8.760 Stunden pro Jahr — kleine Unterschiede im Verbrauch wirken sich über die Laufzeit deutlich aus. Welche Ersparnis konkret möglich ist, lässt sich nur mit der tatsächlichen Hardware und dem eigenen Lastprofil sauber beziffern. Als Richtwerte aus öffentlichen Tests:

  • Altra Q80-33 liegt unter typischer Last bei ca. 180-220W (Phoronix).
  • Vergleichbare Dual-Sockel-Xeon-Silver-Setups bewegen sich unter Last eher im Bereich 300-400W.
  • Der tatsächliche Gesamtverbrauch eines NAS wird zusätzlich stark von Anzahl und Typ der Disks, RAM-Menge und HBA-Karten bestimmt.

Ein konservativer Mittelwert aus diesen Bandbreiten ergibt im Dauerbetrieb eine Einsparung im dreistelligen Euro-Bereich pro Server und Jahr — die genaue Zahl sollte vor einer Beschaffungsentscheidung mit Messungen am Ziel-Workload belegt werden, nicht aus einer pauschalen Tabelle übernommen werden.

Einschränkungen und Herausforderungen

Software-Kompatibilität

Nicht jede Software, die auf TrueNAS läuft, ist für ARM verfügbar:

  • TrueNAS SCALE Apps: Docker-Container benötigen ARM-Images — die meisten populären Images (Plex, Nextcloud, Grafana) bieten Multi-Arch-Builds, einige Nischen-Tools jedoch nicht
  • Plugins/Jails (CORE): TrueNAS CORE auf ARM ist nicht geplant, da FreeBSD auf ARM weniger verbreitet ist
  • NVIDIA GPU-Transcoding: Fällt weg, da NVIDIA-Treiber für ARM-Server begrenzt sind

ECC-RAM Pflicht

Für ZFS ist ECC-RAM essenziell. Das schließt Consumer-ARM-Boards wie den Raspberry Pi für den Produktiveinsatz aus. Nur Server-Plattformen wie Ampere Altra bieten ECC.

Firmware und BIOS

ARM-Server nutzen UEFI, aber die Firmware-Landschaft ist weniger standardisiert als bei x86. BIOS-Updates und Kompatibilitätstests erfordern mehr Aufwand. ACPI-Unterstützung variiert je nach Hersteller.

iSCSI-Target-Performance

iSCSI-Targets auf ARM zeigen in unseren Tests eine leicht höhere Latenz bei kleinen Blockgrößen (4K, 8K). Für VMware-Datastores mit vielen kleinen IOPS ist x86 weiterhin die bessere Wahl — zumindest bis die Software-Optimierung für ARM weiter fortgeschritten ist.

TrueNAS SCALE Apps auf ARM

TrueNAS SCALE nutzt Docker/Kubernetes für Apps. Die Verfügbarkeit von ARM-Images ist entscheidend:

Problemlos auf ARM

Die meisten populären Self-Hosting-Apps bieten Multi-Arch-Images:

  • Nextcloud: Offizielles ARM64-Image, volle Funktionalität
  • Grafana: Multi-Arch seit Version 8.x
  • Prometheus/Node Exporter: Nativ auf ARM kompiliert
  • Plex Media Server: ARM64-Support, aber kein Hardware-Transcoding
  • MinIO: Volle ARM64-Unterstützung, ideal für S3-kompatiblen Object Storage
  • Traefik/Nginx: Multi-Arch seit Jahren

Eingeschränkt oder nicht verfügbar

Einige spezialisierte Tools bieten noch keine ARM-Builds:

  • Veeam Agent: Nur x86
  • Bestimmte Monitoring-Agents: Herstellerabhängig
  • Legacy-Software: Ältere Versionen ohne Multi-Arch-Support
  • GPU-abhängige Container: NVIDIA CUDA nur eingeschränkt auf ARM

Vor der Migration auf ARM sollten Sie die App-Kompatibilität für Ihren spezifischen Stack prüfen. Die Docker-Hub-Seite jedes Images zeigt die unterstützten Architekturen unter “OS/Arch”.

Migration von x86 zu ARM

Eine Migration bestehender TrueNAS-Systeme auf ARM erfordert Planung:

ZFS-Pools migrieren

ZFS-Pools sind architekturunabhängig. Ein Pool, der auf x86 erstellt wurde, kann auf ARM importiert werden:

# Pool exportieren (auf x86-System)
zpool export tank

# Platten in ARM-System einbauen

# Pool importieren (auf ARM-System)
zpool import tank

Die Metadaten sind Endian-neutral, sodass der Import problemlos funktioniert. Empfehlung: Vor der Migration einen Scrub durchführen, um die Datenintegrität zu verifizieren.

Konfiguration sichern

TrueNAS-Konfigurationen können als Datei exportiert und auf dem neuen System importiert werden. Beachten Sie, dass Netzwerk-Interface-Namen sich zwischen x86 und ARM unterscheiden können (z.B. enp3s0 vs. enP2p1s0).

Empfehlung: Wann lohnt sich ARM?

ARM-basiertes TrueNAS eignet sich besonders für:

  • File-Storage (SMB/NFS): Büroumgebungen mit vielen gleichzeitigen Nutzern
  • Backup-Targets: Proxmox Backup Server, Restic, BorgBackup Repositories
  • Cold/Warm Storage: Archivdaten, die selten abgerufen werden
  • Edge-Standorte: Kleine Zweigstellen, die energieeffizientes Storage brauchen
  • Neubau-Projekte: Wenn ohnehin neue Hardware beschafft wird

Für hochperformante Block-Storage-Workloads (iSCSI für Datenbanken, VMware vSAN) bleibt x86 die sichere Wahl. Ebenso bei starker Abhängigkeit von x86-only-Software.

Fazit

TrueNAS auf ARM ist keine Zukunftsmusik mehr — es funktioniert heute auf Ampere Altra-Plattformen in Early Builds mit beeindruckender Energieeffizienz. Die Performance liegt bei File-Storage-Workloads auf dem Niveau von x86 bei deutlich geringerem Stromverbrauch. ZFS läuft stabil, AES-Verschlüsselung ist hardwarebeschleunigt, und die meisten Docker-Container sind als Multi-Arch verfügbar.

Die Einschränkungen — begrenzte Software-Kompatibilität, weniger standardisierte Firmware und höhere iSCSI-Latenz — werden sich mit zunehmender Verbreitung von ARM im Datacenter auflösen. Wer heute ein neues Storage-System plant und Energieeffizienz priorisiert, sollte ARM als Option ernst nehmen.

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