TrueNAS SCALE ist inzwischen die Standard-Wahl fuer neue Installationen — CORE bekommt weiterhin Sicherheitsupdates, aber alle neuen Features landen in SCALE. Wer heute ein NAS oder einen kleinen Storage-Server aufsetzt, faehrt mit SCALE 25.10 Goldeye richtig. Diese Anleitung fuehrt durch die komplette Erstinstallation: vom Boot-Medium ueber den Installer, den ZFS-Pool, die Datasets und die ACLs bis zu den Absicherungen, die man vor dem ersten produktiven Einsatz machen sollte.
Wir setzen dabei voraus, dass die Hardware steht. Wenn du noch ueberlegst, welche Konfiguration passt, hilft der TrueNAS-Konfigurator beim Zusammenstellen. Details zur aktuellen SCALE-Version findest du im Release-Ueberblick zu TrueNAS 25.10 Goldeye.
Vorbereitung: Boot-Medium und BIOS-Einstellungen
TrueNAS SCALE laeuft von einem eigenen Boot-Medium — getrennt vom Storage-Pool. Ueblich sind zwei SATA-DOMs oder zwei M.2-SSDs im Mirror. Ein einzelner USB-Stick geht technisch, wir raten in produktiven Umgebungen aber davon ab: USB-Sticks sterben still, und ohne Boot-Medium steht das NAS. Mindestens 32 GB Kapazitaet sollten es sein, 64 GB oder 128 GB sind entspannter.
Fuer den Installer selbst brauchst du einen zweiten USB-Stick mit mindestens 8 GB. Das aktuelle ISO ziehst du direkt von der TrueNAS-Downloadseite und schreibst es mit Rufus (Windows), balenaEtcher oder dd (Linux) auf den Stick. Rufus im DD-Modus schreiben — der ISO-Modus fuehrt bei manchen Boards zu Boot-Problemen.
Im BIOS/UEFI drei Dinge pruefen: UEFI-Boot aktiviert, Secure Boot bei SCALE 25.10 kann in vielen Faellen an bleiben, aber wenn der Installer nicht startet, deaktivieren. Virtualisierungs-Features — VT-x, VT-d bei Intel bzw. AMD-V, IOMMU bei AMD — einschalten, sonst funktionieren spaeter keine VMs. HBA-Karten im IT-Mode konfigurieren, nicht im RAID-Mode. ZFS will die rohen Disks sehen, kein Hardware-RAID dazwischen.
ECC-RAM: Pflicht oder Empfehlung
ECC-RAM ist keine formale Pflicht fuer ZFS — es laeuft auch ohne. In produktiven Umgebungen empfehlen wir es trotzdem, weil ZFS Fehler nicht mehr korrigieren kann, wenn sie schon im RAM entstanden sind. Fuer Homelab und Testinstallationen kann man ohne ECC starten, sollte den Umstieg aber einplanen, sobald echte Daten auf dem Pool liegen. Details zu unseren Empfehlungen findest du im TrueNAS-Server-Kauf-Ratgeber.
TrueNAS SCALE Installer: Der eigentliche Setup-Ablauf
Vom Installer-Stick booten und den ersten Menue-Eintrag waehlen — “Install/Upgrade”. Der Installer laeuft im Textmodus, was vertraut wirkt, wenn man schon mal einen Debian-Installer gesehen hat. SCALE basiert auf Debian und liefert die Iteration einer bewaehrten Installer-Logik.
Als naechstes waehlst du das Boot-Medium. Der Installer zeigt alle erkannten Disks. Wichtig: nur die tatsaechlich fuer das System vorgesehenen Devices anhaken — niemals die Storage-Disks, die spaeter in den Pool wandern sollen. Wenn du Boot-Mirror willst, beide Boot-Devices markieren. Der Installer legt dann ein Boot-Pool namens boot-pool als ZFS-Mirror an.
Danach setzt du das Root-Passwort. Dieses Passwort ist fuer das lokale root-Konto und wird sofort im Web-Interface abgefragt. Waehle ein starkes Passwort, aber merk es dir — Reset ohne Konsolen-Zugriff ist mueselig.
Die Frage nach dem Boot-Loader beantwortest du in aller Regel mit UEFI — BIOS/Legacy nur, wenn dein Board wirklich kein UEFI kann. SWAP legt der Installer per Default auf jeder Disk an, das kannst du so lassen.
Nach ein paar Minuten meldet der Installer, dass er fertig ist. Installer-Stick abziehen, System neu starten, und im nach dem Boot angezeigten Konsolen-Menue steht die IP-Adresse, unter der das Web-Interface erreichbar ist.
Erste Anmeldung im Web-Interface
Browser auf die angezeigte IP, https ist per Default aktiv — das Zertifikat ist selbstsigniert, also eine Ausnahme im Browser bestaetigen. Login mit root und deinem gesetzten Passwort. SCALE 25.10 begruesst dich mit einem Dashboard, das relativ leer ist, weil noch kein Pool existiert.
Erste Handgriffe: unter System Settings -> General die Zeitzone auf Europe/Berlin setzen, Sprache auf Deutsch oder Englisch nach Praeferenz. Unter Network pruefen, ob das Interface richtig konfiguriert ist — statische IP ist fuer produktive Systeme klar zu empfehlen, DHCP nur im Testbetrieb. Unter Network -> Global Configuration Hostname, DNS-Server und Gateway pruefen.
ZFS-Pool anlegen: RAID-Level und Vdev-Struktur richtig waehlen
Der Pool ist das Herz jeder TrueNAS-Installation, und die Entscheidungen hier sind langfristig — Vdev-Layouts lassen sich nachtraeglich kaum sinnvoll aendern. Unter Storage auf Create Pool klicken. Name vergeben (kurz, ohne Sonderzeichen — tank ist Klassiker, aber data oder pool01 sind ebenso in Ordnung).
Die zentrale Frage: welches RAID-Level. Die drei realistischen Optionen fuer die meisten Setups:
Mirror — klassisches RAID-1-Aequivalent. Jedes Vdev besteht aus zwei Disks, die Kapazitaet halbiert sich. Sehr schnell bei zufaelligen Zugriffen, unproblematisch beim Resilver. Fuer Virtualisierung und Datenbanken die uebliche Wahl.
RAIDZ1 — vergleichbar mit RAID-5. Eine Parity-Disk, eine darf ausfallen. Bei grossen Disks (heute Standard: 12 TB oder mehr) laeuft der Resilver so lange, dass das Risiko eines zweiten Ausfalls waehrenddessen real wird. Fuer aktuelle Disk-Groessen raten wir davon ab.
RAIDZ2 — zwei Parity-Disks, zwei duerfen ausfallen. Fuer klassische Fileserver-Workloads und Backup-Targets die vernuenftige Wahl. Ueblich sind 6er- oder 8er-Vdevs.
Fuer sehr grosse Pools kann RAIDZ3 (drei Parity) sinnvoll sein, das ist aber ein Sonderfall. Und wichtig: nie Disks unterschiedlicher Groessen in einem Vdev mischen — ZFS nimmt die kleinste Disk als Referenz und laesst den Rest brach liegen.
Special Vdevs und Cache
SCALE 25.10 macht die Konfiguration von Special Vdevs (Metadata) und L2ARC (Read-Cache) im GUI komfortabel. Ein Metadata-Vdev auf zwei SSDs im Mirror beschleunigt Verzeichnis-Operationen deutlich — nuetzlich bei vielen kleinen Dateien. L2ARC ist nur dann sinnvoll, wenn RAM knapp ist; bei ausreichend RAM (ab 64 GB) meist ueberfluessig.
Ein SLOG (Separate Intent Log) auf einer schnellen SSD mit Power-Loss-Protection beschleunigt synchrone Schreibvorgaenge — relevant vor allem bei NFS mit VMs oder iSCSI-Targets. Fuer klassische SMB-Fileserver ohne synchrone Writes bringt SLOG nichts.
Wenn du bei der Vdev-Struktur unsicher bist, hilft der TrueNAS-Konfigurator beim Durchspielen der Optionen. Zusaetzlich haben wir das Thema in unserem ZFS-Grundlagen-Artikel ausfuehrlicher beleuchtet.
Datasets und Freigaben: Struktur, die spaeter nicht weh tut
Datasets sind ZFS-Einheiten unterhalb des Pools. Jedes Dataset hat eigene Properties — Kompression, Recordsize, Snapshots, Quotas. Die Struktur solltest du dir vor dem Anlegen kurz ueberlegen, denn Umbenennen und Umziehen ist zwar moeglich, aber mit Nacharbeit an Freigaben, Berechtigungen und Backup-Jobs verbunden.
Eine bewaehrte Struktur fuer kleinere Umgebungen:
tank/
smb/
projekte
archiv
nfs/
vmware
proxmox
iscsi/
hyperv
backup/
veeam
Unter Datasets auf das Pool-Root klicken, dann Add Dataset. Dataset-Typ waehlst du je nach Zweck: Generic fuer die meisten Faelle, SMB wenn direkt SMB-Freigabe folgen soll (setzt Case Insensitivity und passende ACL-Defaults), Apps fuer Container-Volumes.
Recordsize ist ein Property, das man nicht auf allen Datasets gleich lassen sollte. Fuer klassische Fileserver-Workloads passt der Default 128K. Fuer Datenbanken und VM-Storage 16K oder 64K. Fuer sehr grosse Mediendateien (Video-Rohmaterial) kann 1M sinnvoll sein. Kompression standardmaessig auf LZ4 lassen — kostet praktisch keine CPU-Zeit und spart oft 20 bis 40 Prozent Platz.
ACLs richtig setzen
TrueNAS SCALE nutzt POSIX-ACLs (bei generischen Datasets) oder NFSv4-ACLs (bei SMB-Datasets). Fuer reine SMB-Umgebungen ist NFSv4-ACL das Passende, weil es dem gewohnten Windows-Modell am naechsten kommt. Fuer gemischte NFS/SMB-Umgebungen wird es komplizierter — da lohnt sich die Restricted-Preset-Vorlage im ACL-Editor als Ausgangspunkt.
Wichtige Regel: nicht auf Dataset-Ebene wild individuelle Berechtigungen fuer einzelne Nutzer setzen. Sauberer ist eine Gruppen-basierte Struktur: Gruppen im TrueNAS anlegen (oder ueber Active Directory anbinden), Berechtigungen auf Gruppen vergeben, User in Gruppen packen.
Erste Absicherung: Was vor dem Produktivbetrieb passieren sollte
Nach der Grundinstallation stehen noch ein paar Schritte an, bevor man das System ans produktive Netz haengt.
Root-Login deaktivieren: Unter Credentials -> Local Users einen Admin-User mit sudo-Rechten anlegen, dann Root-Login per SSH und Web-UI deaktivieren. Der neue User bekommt Truenas-Admin-Rolle.
Zwei-Faktor-Authentifizierung: Unter Credentials -> 2FA TOTP aktivieren. Fuer produktive Systeme kein Verhandlungsraum — gerade weil das Web-UI meist auch aus dem internen Netz erreichbar sein soll.
Automatische Updates — mit Bedacht: SCALE kann Updates automatisch pruefen und Benachrichtigungen schicken. Automatisches Installieren empfehlen wir NICHT — Updates immer manuell einspielen, moeglichst nach einem Snapshot des Boot-Pools.
Snapshots einrichten: Unter Data Protection -> Periodic Snapshot Tasks fuer jedes wichtige Dataset einen Snapshot-Plan anlegen. Ueblich: taeglich mit 30 Tagen Aufbewahrung, stuendlich mit 48 Stunden Aufbewahrung fuer aktive Arbeitsverzeichnisse.
SMART-Tests aktivieren: Unter Data Protection -> S.M.A.R.T. Tests Short-Tests woechentlich, Long-Tests monatlich einplanen. Warnungen per E-Mail unter System Settings -> Alert Settings konfigurieren.
Scrub-Tasks: Unter Data Protection -> Scrub Tasks fuer jeden Pool monatliche Scrubs einplanen. Scrub liest den kompletten Pool und pruft Checksums — das ist die zentrale ZFS-Sicherheit gegen Bit-Rot.
Wer den kompletten Aufbau lieber abgibt: unser IT-Service-Team uebernimmt Planung, Installation und Betrieb komplett — inklusive der Uebergabe-Dokumentation, mit der ein Kunden-Admin das System spaeter selbst weiterbetreiben kann.
Naechste Schritte nach der Grundinstallation
Mit dem lauffaehigen Pool und den ersten Datasets steht das Fundament. Was danach kommt, haengt vom Anwendungsfall ab: SMB-Freigaben fuer Fileserver-Betrieb, NFS-Datastores fuer Proxmox oder VMware, iSCSI-Targets fuer Windows-Cluster, Replication-Tasks fuer Offsite-Backup, oder Apps und VMs fuer Container-Workloads.
Fuer den Backup-Betrieb ist Replication der Standard-Ansatz: Snapshots werden per ZFS-Send auf ein zweites TrueNAS uebertragen — inkrementell, mit Checksum-Verifikation, ohne die Umwege eines klassischen Backup-Tools. Details dazu behandeln wir in einem separaten Artikel.
Wenn du Fragen zur konkreten Konfiguration fuer deinen Anwendungsfall hast oder Hilfe beim Aufsetzen brauchst: kontaktiere uns ueber die DATAZONE-Kontaktseite oder direkt ueber den TrueNAS-Konfigurator mit der passenden Hardware-Empfehlung.
FAQ zur TrueNAS-SCALE-Installation
Kann ich TrueNAS SCALE auf einem einzelnen USB-Stick installieren?
Technisch ja, praktisch nein. USB-Sticks fallen still aus, und ohne Boot-Medium steht das NAS. Fuer produktive Installationen SATA-DOMs oder M.2-SSDs im Mirror verwenden. Fuer reine Test- oder Lab-Umgebungen ist ein USB-Stick vertretbar, sollte aber vor Produktivbetrieb ersetzt werden.
Muss ich zwingend ECC-RAM einsetzen?
Nein, TrueNAS SCALE laeuft auch ohne ECC. In produktiven Umgebungen empfehlen wir ECC klar, weil ZFS Speicherfehler nicht mehr korrigieren kann, sobald sie im RAM entstehen. Fuer Homelab und Testinstallationen kann man ohne ECC starten und spaeter migrieren.
Welche RAIDZ-Stufe ist die richtige?
Fuer Virtualisierung und Datenbanken meist Mirror-Vdevs. Fuer klassische Fileserver und Backup-Targets RAIDZ2 mit 6er- oder 8er-Vdevs. RAIDZ1 vermeiden wir bei aktuellen Disk-Groessen, weil das Resilver-Fenster zu lang wird. RAIDZ3 ist ein Sonderfall fuer sehr grosse Pools.
Was passiert, wenn ich das Boot-Medium wechseln muss?
Bei Mirror-Boot ist der Tausch unkompliziert: eine der beiden Boot-Disks tauschen, resilver laeuft automatisch. Bei Single-Disk-Boot muss man den Config-Backup einspielen — dazu vorher unter System Settings -> General -> Manage Configuration den Config exportieren und sicher aufbewahren.
Kann ich spaeter von TrueNAS CORE auf SCALE migrieren?
Migration von CORE auf SCALE ist grundsaetzlich moeglich, ist aber ein Upgrade-Vorgang mit Vorbedingungen (Config exportieren, Jails und Plugins entfernen). Bei komplexen Bestandssystemen sollte man den Umstieg planen. Wir unterstuetzen bei solchen Migrationen im Rahmen unseres IT-Service-Angebots.
Wie halte ich mein TrueNAS auf dem aktuellen Stand?
Updates unter System Settings -> Update pruefen und manuell einspielen. Vor jedem Update Boot-Pool-Snapshot anlegen und Config-Backup ziehen. Zwischen Major-Releases (z.B. 24.x auf 25.10) die Release-Notes lesen und ggf. Tests in einer Lab-Umgebung fahren. Aktuelle Release-Infos veroeffentlichen wir laufend im DATAZONE-Blog.
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