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TrueNAS SMB-Multichannel: 10GbE korrekt konfigurieren

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TrueNAS SMB-Multichannel: 10GbE korrekt konfigurieren

SMB-Multichannel ist eine der am häufigsten missverstandenen Funktionen im TrueNAS-Umfeld. Auf dem Papier klingt es einfach: Zwei Netzwerkkarten auf Server- und Client-Seite, SMB bündelt die Verbindungen und der Client bekommt mehr Bandbreite — ganz ohne LACP, ohne Switch-Konfiguration und ohne zusätzliche Software. In der Praxis sitzen wir bei Kundenprojekten dann vor einem TrueNAS mit zwei 10GbE-Ports, einem Windows-Client mit ebenfalls zwei Ports und fragen uns, warum Get-SmbMultichannelConnection genau eine Verbindung anzeigt.

Der Grund ist fast immer eine Kombination aus drei Faktoren: SMB-Multichannel ist zwar auf dem Server aktiviert, der Windows-Client sieht die zweite Route aber nicht, weil entweder RSS am Adapter fehlt, der NIC-Treiber zu alt ist oder beide Ports im gleichen Subnetz liegen und der Client aus Routing-Gründen nur eine Adresse wählt. Dieser Artikel beschreibt die vollständige Konfiguration auf TrueNAS Scale 24.10 bzw. 25.04, die Verifikation auf Windows 11 und Windows Server 2025 sowie die Fehlerbilder, die uns in der Praxis regelmäßig begegnen.

Was SMB-Multichannel wirklich macht

SMB-Multichannel ist ein Feature von SMB 3.0 und höher. Wenn Client und Server jeweils mehrere geeignete Netzwerkpfade zueinander haben, öffnet der SMB-Client automatisch mehrere TCP-Verbindungen zum Server und verteilt die Last darüber. „Geeignet” heißt: gleiche Geschwindigkeit, RSS-fähig oder RDMA-fähig, und aus Sicht des Clients erreichbar. Es gibt keinen Aushandlungsprozess, den man konfiguriert — der Client entscheidet einseitig anhand der Adapter-Fähigkeiten, die er beim Server abfragt.

Das ist der zentrale Unterschied zu LACP oder Balance-XOR-Bonds: Multichannel arbeitet auf Layer 5 (SMB-Session-Layer), nicht auf Layer 2. Es ist damit unabhängig vom Switch, nutzt auch bei einer einzelnen TCP-Session mehrere Warteschlangen (via RSS) und funktioniert auch dann, wenn die beiden Ports in getrennten Subnetzen liegen — was in vielen Setups sogar die sauberere Variante ist.

Server-Konfiguration auf TrueNAS Scale

TrueNAS Scale nutzt Samba als SMB-Server. SMB-Multichannel ist ab Samba 4.15 als „experimental” markiert, läuft aber in unseren Kundenprojekten seit Jahren stabil. Um es zu aktivieren, öffnen Sie in der TrueNAS-Weboberfläche System SettingsServices → SMB und dort den Configure-Button. Unter Auxiliary Parameters tragen Sie folgende Zeilen ein:

server multi channel support = yes
aio read size = 1
aio write size = 1

Alternativ, falls Sie die smb4.conf-Fragmente direkt prüfen möchten, finden Sie diese unter /etc/samba/smb4.conf — ändern Sie die Datei aber niemals direkt, da TrueNAS sie beim nächsten Middleware-Reload überschreibt. Nach dem Speichern muss der SMB-Dienst neu gestartet werden.

Wichtig: Sowohl beide Netzwerkports müssen im TrueNAS NetworkInterfaces als eigenständige Interfaces konfiguriert sein, jeweils mit eigener IP-Adresse. Ein LACP-Bond auf Server-Seite verhindert Multichannel eher, als dass es hilft, weil Samba dann nur ein Interface sieht.

Netzwerk-Layout: ein oder zwei Subnetze

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Grundsätzlich unterstützt SMB-Multichannel beides, aber in der Praxis empfehlen wir für dedizierte Storage-Netze immer zwei separate Subnetze:

SzenarioEmpfehlungGrund
Zwei 10GbE-Ports, dedizierter Storage-SwitchZwei /29-Subnetze, kein GatewaySauberes Routing, Client wählt beide Pfade
Gemeinsames LAN, ein SwitchEin Subnetz, interfaces-Option in SambaSetup einfacher, aber Windows-Routing kann Kanäle unterdrücken
Direktverbindung (DAC)Zwei /30-Punkt-zu-Punkt-SubnetzeKein Switch nötig, ideal für kleine Setups

Bei einem Setup mit zwei Subnetzen (Beispiel: 10.20.10.0/24 und 10.20.11.0/24) muss der Windows-Client selbstverständlich in beiden Netzen erreichbar sein. Ein Default-Gateway benötigen die Storage-Interfaces nicht — SMB-Datenverkehr bleibt lokal.

Windows-Client vorbereiten

Auf dem Windows-Client müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein: RSS (Receive Side Scaling) muss pro NIC aktiviert sein, und der Treiber muss aktuell sein. Bei Intel X710/X550 und Mellanox ConnectX-4/5 sind die Windows-Inbox-Treiber oft mehrere Jahre alt und unterstützen zwar RSS, aber nicht die Aushandlung der SMB-Client-Capabilities korrekt. Für produktive Setups gilt: Aktuellen OEM-Treiber (Intel PROSet 29.x, Nvidia/Mellanox WinOF-2 3.20+) installieren.

RSS prüfen und aktivieren:

Get-NetAdapterRss -Name "Ethernet 2"
Enable-NetAdapterRss -Name "Ethernet 2"
Set-NetAdapterRss -Name "Ethernet 2" -NumberOfReceiveQueues 8

Die Anzahl der Queues sollte bei 8 oder 16 liegen und maximal die Zahl der physischen Cores erreichen. Bei Intel-Karten empfiehlt sich zusätzlich der Blick in die Adapter-Eigenschaften (ncpa.cpl → NIC → ConfigureAdvanced): Dort müssen Receive Side Scaling auf Enabled und idealerweise RSS Load Balancing Profile auf NUMAScalingStatic stehen.

Verifikation: die richtigen Kommandos

Nach dem Verbinden zu einer SMB-Freigabe (per Explorer, net use oder New-SmbMapping) prüfen Sie auf dem Windows-Client, ob Multichannel wirklich aktiv ist:

Get-SmbMultichannelConnection -ServerName truenas01
Get-SmbMultichannelConnection -ServerName truenas01 -IncludeNotSelected

Der erste Befehl zeigt die aktiv genutzten Verbindungen — Sie sollten pro Server-IP eine Zeile sehen, insgesamt also zwei bei einem 2×10GbE-Setup. Der zweite Befehl mit -IncludeNotSelected ist der interessantere: Er listet auch Verbindungen, die der Client zwar sieht, aber nicht nutzt, mit einem Selected = False und einer Begründung im Feld Failure Reason.

Häufige Werte in Failure Reason:

  • Server not RSS capable — der Server-Adapter meldet kein RSS. Auf TrueNAS liegt das meist am Interface-Typ (Bond, VLAN ohne Parent-RSS) oder an veralteten Treibern in Kernel-Modulen.
  • Client not RSS capable — RSS am Client-Adapter deaktiviert oder Treiber meldet es nicht.
  • Different network subnets — kein Fehler an sich, sondern nur Info: der Client hat auf diesem Pfad keine Route zum Server.

Zusätzlich hilfreich sind Get-SmbConnection (zeigt aktive Sessions mit Dialect und Multichannel-Flag) und auf dem TrueNAS smbstatus -L, das die pro-Session offenen Verbindungen zeigt.

Typische Stolperfallen aus der Praxis

Über die vergangenen Jahre haben wir bei DATAZONE-Kundenprojekten fast alle denkbaren Fehlerkombinationen gesehen. Die häufigsten:

  1. VLAN-Interface ohne RSS-Vererbung: Wenn Sie das SMB-Interface als VLAN auf einem Bond konfigurieren, meldet Samba je nach Kernel-Version kein RSS mehr. Lösung: separate physische Ports, keine VLANs für Storage-Traffic.
  2. Jumbo Frames nur auf einer Seite: MTU 9000 nur auf Server, aber nicht auf Switch oder Client führt zu fragmentierten Paketen und stark schwankender Performance. In unseren Kundenprojekten sehen wir das typischerweise als „Multichannel läuft, ist aber langsamer als eine Single-Session”.
  3. Antivirus-Filter auf Client: Endpoint-Protection wie Trend Micro oder ältere Defender-Versionen halten SMB-Sessions in einem einzigen Filtertreiber-Kontext, was Multichannel blockiert.
  4. Windows Server als Client mit deaktiviertem SMB-Client-Multichannel: Set-SmbClientConfiguration -EnableMultiChannel $true prüfen. Standardmäßig aktiv, aber Gruppenrichtlinien setzen das gerne zurück.
  5. TrueNAS mit gemischten NIC-Geschwindigkeiten: Ein 10GbE und ein 1GbE Port werden nicht kombiniert. Multichannel setzt gleiche Adapter-Geschwindigkeit voraus.

DATAZONE unterstützt Sie

TrueNAS SMB-Multichannel ist kein „Häkchen setzen und läuft”-Feature. Ohne saubere Netzwerk-Planung, aktuelle Treiber und ein Grundverständnis von RSS-Queues bleibt Bandbreite auf der Strecke — oft ohne dass jemand merkt, dass eigentlich die doppelte Performance möglich wäre. Als TrueNAS-Solutions-Architect-Partner planen und implementieren wir 10GbE- und 25GbE-Storage-Netze für SMB-, iSCSI- und NFS-Workloads, inklusive Windows- und Hyper-V-Integration. Sprechen Sie uns an — wir prüfen Ihr bestehendes Setup, messen die tatsächliche Multichannel-Nutzung und liefern eine konkrete Handlungsempfehlung.

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