Allerheiligen fällt in diesem Jahr auf einen Sonntag. Für Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland heißt das: der Montag darauf ist Feiertag — oder, je nach Bundesland, nur ein normaler Arbeitstag. Für ein Unternehmen in Neuburg a.d. Donau mit Außendienst in Nürnberg, Augsburg und Ingolstadt ist das Alltag; für ein Unternehmen mit Standorten in Bayern und Niedersachsen wird aus einem harmlosen Datum ein Dienstplan-Puzzle.
Das Problem ist nicht Allerheiligen selbst. Das Problem ist, dass zwischen Allerheiligen und dem ersten Advent drei Wochen voller Teil-Feiertage, Brückentage und Länder-Besonderheiten liegen — und dass die meisten IT-Abteilungen in diese Phase mit einem Dienstplan hineingehen, der eigentlich für die Sommerurlaubs-Saison gemacht war. Was im Juni funktioniert hat, funktioniert im November nicht automatisch wieder.
Dieser Artikel ist ein Praxis-Fahrplan für die Feiertags-Wochen bis Jahresende, geschrieben aus Beratungssicht. Keine Hersteller-Empfehlungen, keine Produktliste — sondern eine Checkliste und ein paar Lehren aus Vorfällen, die wir in den letzten Jahren bei Kunden gesehen haben.
IT-Rufbereitschaft an Feiertagen — das Grundproblem
Im Urlaubs-Kontext haben wir bereits ausführlich beschrieben, wie Bereitschaft mit kleinem Team funktioniert. Vieles davon gilt auch für Feiertage, aber mit drei entscheidenden Unterschieden:
Feiertage sind kürzer und dichter. Ein Sommer-Urlaub dauert zwei bis drei Wochen am Stück. Eine Feiertags-Phase im November besteht aus einem Tag hier, zwei Tagen dort, einem langen Wochenende dazwischen. Das heißt: der Bereitschafts-Plan wechselt alle paar Tage, Übergaben werden häufiger, Übersehen-Risiko steigt.
Feiertage sind regional unterschiedlich. Allerheiligen in Bayern, Buß- und Bettag in Sachsen, der Reformationstag in den fünf nördlichen Bundesländern — wer Standorte in mehreren Bundesländern hat, muss nicht nur den eigenen Dienstplan führen, sondern auch wissen, wann der Lieferant im Nachbarland arbeitet. Ein Hardware-Ersatzteil, das am Montag bei einem bayerischen Fachhändler bestellt wird, wird erst am Dienstag versendet.
Feiertage sind der Rand des Backup-Fensters. Viele Backup-Jobs sind so getaktet, dass sie am Wochenende volle Backups ziehen und werktags inkrementelle. Fällt ein Werktag als Feiertag aus, verschieben sich die Fenster; fallen zwei Werktage aus, hat der inkrementelle Chain Lücken. Ohne aktive Verifikation merkt man das erst beim nächsten Restore-Versuch.
Monitoring-Eskalation: wer bekommt den Alarm, wer leitet weiter
Der häufigste Fehler, den wir in Feiertags-Vorfällen sehen: der Monitoring-Alarm geht raus, aber niemand liest ihn. Nicht weil keiner Bereitschaft hat, sondern weil der Alarm an eine Verteiler-Adresse geht, deren Mitglieder gerade alle gleichzeitig in verschiedenen Bundesländern frei haben.
Eine saubere Eskalations-Kette hat drei Ebenen:
- Primär-Alarm per E-Mail an das IT-Postfach. Dieses Postfach wird im Normalbetrieb regelmäßig gesichtet. An Feiertagen ist es unzuverlässig.
- Sekundär-Alarm per SMS oder Push an eine dedizierte Rufbereitschafts-Nummer. Diese Nummer wechselt im Dienstplan — nicht die E-Mail-Verteilung, nur die SMS-Weiterleitung.
- Tertiär-Alarm per Anruf vom Monitoring-System über einen Voice-Gateway-Dienst, wenn Primär und Sekundär nach 15 Minuten nicht quittiert sind. Weckt zuverlässig, kostet aber Geld und sollte nur für wirklich kritische Alerts (Storage-Pool kritisch, Hypervisor-Ausfall, Netzwerk-Komplettausfall) aktiv sein.
In unserer eigenen Praxis mit Zabbix und Grafana Alerting nutzen wir für Stufe 2 einen externen SMS-Gateway-Dienstleister, der die Nummer je nach aktuellem Bereitschafts-Dienstplan automatisch rotiert. Für Stufe 3 reicht eine einfache Twilio- oder Sipgate-Integration — die Kosten pro ausgelöstem Anruf liegen bei wenigen Cent, über ein ganzes Jahr sammeln sich die Alarme auf einen zweistelligen Betrag.
Push statt SMS: wann sich der Umstieg lohnt
Push-Benachrichtigungen über eigene Apps (Pushover, Ntfy, Signal-Bot) sind billiger als SMS und zuverlässiger als E-Mail — vorausgesetzt, das Smartphone des Bereitschafts-Habers hat Empfang. In der Praxis empfehlen wir Push als Haupt-Kanal für Stufe 2, SMS als Backup, falls das Smartphone keinen Datenempfang hat. In Bayerns ländlichen Regionen hinter Neuburg ist das keine theoretische Frage.
Dienstplan für die Feiertags-Woche: realistisch planen
Bei kleinen IT-Teams (eine bis drei Personen) macht ein starrer Rotations-Dienstplan für die Feiertagswoche selten Sinn — die Teamgröße gibt es nicht her. Was aber funktioniert:
Modell A — fester Bereitschafts-Haber mit externer Rückfallebene. Eine Person hat an einem Feiertag Bereitschaft, erreicht aber im Zweifel DATAZONE-Support als Fallback. Das ist das günstigste Modell und für viele mittelständische Kunden mit Standard-Setups ausreichend.
Modell B — Rotation im Zweier-Team mit festen Übergabe-Terminen. Zwei Personen wechseln sich an langen Wochenenden ab, Übergabe am Vortag um 17 Uhr per 15-minütigem Call. Ein Dokument mit aktuellem Status (offene Tickets, laufende Jobs, Besonderheiten) wird gepflegt. Funktioniert für Teams, die ohnehin eng zusammenarbeiten.
Modell C — vollständiges Outsourcing der Bereitschaft an einen externen Dienstleister. Für Unternehmen, bei denen die eigene IT keine Rufbereitschaft stellen kann oder soll, übernehmen wir bei entsprechender Vereinbarung die Bereitschafts-Alarmierung komplett. Das lohnt sich vor allem für Kunden mit TrueNAS-Umgebungen oder komplexeren Proxmox-Clustern, bei denen tiefes Produkt-Know-how im Alarmfall erforderlich ist.
Was in allen drei Modellen gilt: der Dienstplan muss schriftlich und zugänglich sein. Nicht in einem Google-Kalender, auf den die Vertretung keinen Zugriff hat, sondern in einem gemeinsamen Dokument oder auf einem Zettel am Server-Schrank.
Lieferanten-Erreichbarkeit: wer antwortet am Feiertag
Ein Punkt, der oft übersehen wird: wenn an einem Feiertag Hardware ausfällt, hilft die beste Bereitschaft wenig, wenn der Lieferant nicht erreichbar ist. Vor der Feiertags-Woche lohnt sich eine kurze Prüfung der Vertrags-Partner:
- Hardware-Fachhandel mit NBD-SLA (Next Business Day): zählt der Feiertag als “Business Day” oder nicht? Die meisten SLAs klammern bundesweite Feiertage aus — regionale wie Allerheiligen aber unterschiedlich.
- TrueNAS-Hardware-Support von iXsystems: bei den aktuellen M30- und M40-Enterprise-Systemen gilt der im Supportvertrag festgelegte Service-Fenster. In Deutschland werden Allerheiligen und Buß- und Bettag von iXsystems als lokale Feiertage gewertet. Enterprise-Support und Hardware-Pakete sind so geschnitten, dass regionale Feiertage berücksichtigt werden.
- Rechenzentrums-Co-Location: Zutritts-Procedere an Feiertagen oft eingeschränkt. Wer am Feiertag ein defektes Gerät austauschen will, braucht Vorab-Anmeldung — nicht am Feiertag selbst.
- Internet-Dienstleister mit SLA: hier gilt meistens die gesetzliche Feiertags-Regelung des Firmensitzes des Providers, nicht des Kunden. Lohnt sich zu prüfen.
Unsere Empfehlung an alle Kunden vor der Feiertags-Woche: eine Lieferanten-Übersicht mit Telefonnummern, SLA-Status und Besonderheiten für den aktuellen Monat ausdrucken und am IT-Arbeitsplatz hinterlegen. Zwei Minuten Vorbereitung, die im Alarmfall viel Zeit sparen.
Backup-Fenster und Feiertage: der stillste Fehler
Von allen Problemen, die uns in Feiertags-Zeiten in Vorfall-Nachbesprechungen begegnen, ist das Backup-Fenster das heimtückischste. Weil es nicht sofort auffällt — der Backup-Job meldet “Erfolg”, weil er sauber durchgelaufen ist. Nur dass “sauber durchgelaufen” an einem Feiertag etwas anderes bedeuten kann als an einem normalen Werktag.
Typische Fehlerquellen, die wir in Audits sehen:
- Snapshot-Rotation hält 7 Tage. Bei zwei Feiertagen in einer Woche und einem Wochenende dazwischen fällt die effektive Werktags-Historie auf 2–3 Tage. Für einen Ransomware-Fall mit verzögerter Erkennung ist das zu wenig.
- Replikations-Job zu Offsite-Target läuft nachts um 02:00 Uhr. Am Feiertag ist das Netzwerk entspannt, Job läuft schnell durch — aber am Montag nach dem Feiertag konkurriert er mit dem Standard-Werktags-Traffic und verzögert sich, ohne dass jemand eine Alert-Regel dafür hat.
- S3-Replikation zu Hyperscaler läuft im monatlichen Zyklus. Fällt der Zyklus-Tag auf einen Feiertag, wird oft verschoben — das Monitoring sieht aber “noch nicht fällig” und schlägt keinen Alarm.
Was wir empfehlen: vor jeder Feiertags-Phase die Backup-Dashboards einmal manuell prüfen. Fünf Minuten für einen Blick in TrueNAS, Veeam oder Proxmox Backup Server. Letztes vollständiges Backup, letzte erfolgreiche Replikation, Pool-Füllgrad, Snapshot-Count. Wer das im Oktober noch nicht gemacht hat, sollte es diese Woche nachholen.
Und: ein Restore-Test an einem der ruhigen Feiertage ist eine gute Idee. Nicht im produktiven System, sondern in der Testumgebung aus unserem Restore-Drill-Artikel. Wenn der Feiertag ohnehin ruhig ist, kann man die Stunde gut investieren.
Was im November 2026 konkret ansteht
Für den Rest des Jahres 2026 sind das die kritischen Termine aus IT-Sicht:
- 01.11. (Sonntag) — Allerheiligen in Bayern, BW, NRW, RP, SL. Montag Arbeitstag, aber mit verringerter Verfügbarkeit externer Dienstleister in diesen Bundesländern.
- 18.11. (Mittwoch) — Buß- und Bettag in Sachsen. Für sächsische Standorte Feiertag, bundesweit nicht. Lieferanten in Sachsen eingeschränkt verfügbar.
- 22.11. (Sonntag) — Totensonntag. Kein gesetzlicher Feiertag, aber in vielen Betrieben traditionell ruhig; manche Lieferanten reduziert.
- 24.–26.12. — Weihnachts-Kernzeit, bundesweit. Dafür gibt es einen eigenen Fahrplan, den wir Anfang Dezember aktualisieren.
- 31.12. und 01.01. — Silvester und Neujahr. In unserer Erfahrung die risikoärmste Phase der gesamten Feiertagsperiode, weil Angreifer ebenfalls Pause machen. Trotzdem Monitoring aktiv halten.
FAQ
Lohnt sich eine 24/7-Rufbereitschaft für ein kleines Mittelstands-Unternehmen?
In der Regel nicht — es sei denn, der Geschäftsbetrieb hängt direkt am IT-Betrieb (Produktions-Steuerung, Logistik-Zentren, Online-Shops mit Nacht-Umsatz). Für reine Büro-Mittelständler reicht meistens eine Werktags-Bereitschaft von 7:00 bis 19:00 Uhr und ein klar definierter Eskalations-Pfad außerhalb dieser Zeiten.
Wie oft sollte der Dienstplan für Bereitschaft aktualisiert werden?
Mindestens vierteljährlich, in Phasen mit vielen Feiertagen (Frühjahr, Spätherbst) monatlich. Wichtig ist nicht die absolute Häufigkeit, sondern dass das aktuelle Dokument allen Beteiligten vorliegt — inklusive der Vertretung und des externen Dienstleisters.
Was passiert, wenn der Monitoring-Alarm am Feiertag niemanden erreicht?
Idealerweise fällt der Vorfall in Modell C (Outsourcing) auf einen externen Dienstleister, der auch an Feiertagen besetzt ist. In Modell A und B sollte die tertiäre Alarmstufe (Voice-Call vom Monitoring-System) sicherstellen, dass irgendjemand aufwacht. Wenn alle Stufen durchlaufen und niemand reagiert, ist das Problem organisatorisch, nicht technisch — und muss nach dem Feiertag im Team besprochen werden.
Soll vor Feiertagen ein Patch-Freeze eingeführt werden?
Für kritische Produktions-Systeme ja, mindestens 48 Stunden vor dem ersten Feiertag der Phase. Für Standard-Office-Systeme und Workstations nein, Updates sollen weiterlaufen. Zwischen den beiden gibt es Grauzonen — die Entscheidung hängt vom konkreten System und der Change-Historie ab. Im Zweifel: Freeze bevorzugen und offene Changes auf nach den Feiertagen schieben.
Wie teste ich, ob meine Alert-Kette an Feiertagen wirklich funktioniert?
Zwei bis drei Wochen vor der Feiertags-Phase einen Test-Alarm auslösen, der durch alle drei Stufen läuft. Wenn die Push-Benachrichtigung nicht ankommt, der SMS-Gateway falsch konfiguriert ist oder der Voice-Call auf einer alten Nummer landet, merkt man das jetzt — nicht im Ernstfall. Diese 20-Minuten-Übung sparen im Vorfall Stunden.
Was macht DATAZONE in dieser Phase konkret für Kunden?
Für Kunden mit Support-Vertrag übernehmen wir die Feiertags-Bereitschafts-Alarmierung, prüfen vor der Phase manuell die Backup-Dashboards und sind an bundesweiten Feiertagen für Vorfälle erreichbar. Details hängen vom individuellen Vertrag ab — Bestandskunden rufen am besten direkt an, Interessenten melden sich über die Service-Seite.