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Cloud-Backup-Anbieter im Vergleich: B2, Storj, Wasabi, AWS

BackupCloudTrueNAS
Cloud-Backup-Anbieter im Vergleich: B2, Storj, Wasabi, AWS

Die 3-2-1-Backup-Regel ist mittlerweile Standard: Drei Kopien, zwei Medien, eine offsite. Die “offsite”-Komponente landet in vielen KMU heute bei einem S3-kompatiblen Cloud-Provider — weil das mit TrueNAS Cloud Sync, Proxmox Backup Server und Veeam ohne Aufwand integrierbar ist. Aber welcher Provider? Backblaze B2, Storj, Wasabi und AWS S3 sind die vier Schwergewichte; jeder hat ein anderes Profil. Wir liefern keine Preisliste — die ändert sich monatlich — sondern eine Bewertungsmatrix mit Kriterien, anhand derer ein KMU strukturiert wählen kann.

Warum S3-kompatibel?

S3 ist nicht nur ein Amazon-Service, sondern de facto das Protokoll für Objektspeicher. Alle gängigen Backup-Tools (Veeam, Borg, Restic, Duplicacy, TrueNAS Cloud Sync, Proxmox Backup Server ab 4.x) sprechen S3 — bedeutet konkret:

  • Multi-Vendor-Strategie: heute B2, morgen Wasabi, übermorgen eigener MinIO-Cluster — Backup-Tool ändert sich nicht
  • Object-Lock: S3-Object-Lock erlaubt Immutable-Backups (Ransomware-Schutz)
  • Replikation: Cross-Region-Replikation ist eingebauter Standard
  • Versionierung: S3 hält automatisch Versionen vor (sofern aktiviert)

Wer einen Backup-Provider wählt, der nur ein proprietäres Protokoll spricht (klassische “Online-Backup-Anbieter”), bindet sich faktisch an dieses Tool — Wechsel später wird teuer.

Die vier Provider im Profil

Backblaze B2

  • Modell: Reiner Cloud-Storage-Provider, einer der Vorreiter für günstigen Object-Storage
  • Standorte: US-West, US-East, EU (Amsterdam)
  • Geo-Redundanz: Innerhalb einer Region durch Erasure-Coding über mehrere Rechenzentren
  • Egress: Erste 3× der gespeicherten Daten pro Monat frei zum Internet, danach kostenpflichtig
  • Mindestlaufzeit: Keine
  • API: Eigene B2-API plus S3-kompatible Schicht
  • Stärke: Sehr einfache Preisstruktur, eine der günstigsten Optionen am Markt
  • Schwäche: Region-Auswahl begrenzt, kein deutscher Standort

Storj

  • Modell: Dezentrales Storage-Netzwerk — Dateien werden in Erasure-Coded-Fragmenten über Hunderte Nodes verteilt
  • Standorte: Global verteilt, Auswahl über Geofencing möglich (z.B. “EU only”)
  • Geo-Redundanz: Strukturell eingebaut durch das Erasure-Coding über mehrere Nodes/Regionen
  • Egress: Pauschal pro GB, oft günstiger als bei klassischen Anbietern
  • Mindestlaufzeit: Keine
  • API: Native Storj-API plus S3-kompatible Schicht (Storj S3 Gateway)
  • Stärke: Architektur-bedingt sehr hohe Redundanz; iX-Storj ist die TrueNAS-spezifische Storj-Variante mit nahtloser Integration ins TrueNAS-WebUI
  • Schwäche: Konzeptbedingt ungewohnt — wer “ein Rechenzentrum” als Zielort haben will, ist hier konzeptionell falsch

Wasabi Hot Cloud Storage

  • Modell: S3-kompatibler “Hot Storage” — keine Tier-Unterschiede, kein Lifecycle-Management
  • Standorte: US, EU (Amsterdam, Frankfurt, London, Paris, Mailand), APAC
  • Geo-Redundanz: Pro Region
  • Egress: Keine Egress-Gebühr (sehr ungewöhnlich am Markt!)
  • Mindestlaufzeit: 90 Tage Mindest-Storage-Time — Dateien, die früher gelöscht werden, werden trotzdem für 90 Tage abgerechnet
  • API: S3-kompatibel
  • Stärke: Kein Egress = vorhersagbare Kosten, gerade bei häufigen Restores; Frankfurt-Standort verfügbar
  • Schwäche: 90-Tage-Mindestlaufzeit ist Show-Stopper bei kurzlebigen Backups (z.B. Build-Artefakte)

AWS S3 / S3 Glacier

  • Modell: Hyperscaler mit voller AWS-Integration; Storage-Klassen Standard / IA / Glacier / Deep Archive
  • Standorte: Weltweit, eu-central-1 (Frankfurt) und eu-central-2 (Zürich) für EU-Workloads
  • Geo-Redundanz: Drei AZs pro Region für Standard-Storage; Cross-Region-Replikation als Option
  • Egress: Pro GB, mit gestaffelten Volumendiscounts
  • Mindestlaufzeit: Standard keine; Glacier 90 Tage, Deep Archive 180 Tage Mindest-Storage
  • API: S3 (das Original)
  • Stärke: Volle Reife, Compliance-Zertifikate (BSI C5, ISO 27001, etc.), tiefste AWS-Integration
  • Schwäche: Tendenziell höchster Listenpreis, komplexes Pricing mit vielen Variablen

Bewertungsmatrix

KriteriumBackblaze B2StorjWasabiAWS S3
Preis (Storage, Größenordnung)GünstigSehr günstigMittelHoch (Standard) bis sehr günstig (Glacier DA)
Egress-KostenFrei bis 3×, dann mittelPauschal pro GBKeinePro GB, gestaffelt
EU-StandortAmsterdamGeofencing möglichFrankfurt, weitere EUFrankfurt, Zürich
DACH-ComplianceSolideÜber EU-GeofencingSolideSehr umfassend
S3 Object-LockJaJaJaJa
Mindest-Storage-TimeKeineKeine90 Tage0 (Standard) / 90 / 180 Tage
Glacier-KlasseNein, einheitliche KlasseNein, einheitliche KlasseNein, einheitliche KlasseJa (Glacier IR / DA)
TrueNAS-IntegrationStandardiX-Storj nativStandardStandard
API-ReifeSehr gutReife S3-Kompat. seit 2024Sehr gutReferenz
Multi-Region innerhalb AnbieterMittelStrukturellGutSehr gut

Wichtig: Konkrete Eurobeträge pro TB-Monat schwanken bei allen vier Anbietern. Wir nennen sie hier bewusst nicht — sie wären bis zur Veröffentlichung schon veraltet. Stattdessen die direkten Preislisten verlinkt:

Drei typische KMU-Szenarien

Szenario A: Tägliche Server-Backups, selten Restore

  • Datenmenge: 5 TB
  • Restore-Frequenz: 1× pro Quartal Test, 1–2× pro Jahr ernstfall
  • Aufbewahrung: 90 Tage Daily, 12 Monate Monthly

Empfehlung: Wasabi oder B2. Bei Wasabi entfallen Egress-Kosten — gut bei den seltenen Restores, die dann oft groß ausfallen. B2 ist beim reinen Storage etwas günstiger, kostet aber Egress bei Restore. Beide haben Frankfurt/Amsterdam als EU-Option.

Szenario B: Veeam-M365-Backup mit häufigen Item-Level-Restores

  • Datenmenge: 2 TB
  • Restore-Frequenz: mehrmals pro Woche (einzelne Mails/Kalender)
  • Aufbewahrung: 7 Jahre revisionssicher

Empfehlung: AWS S3 mit Lifecycle nach 30 Tagen zu Glacier IR. Hot-Tier für jüngste Mails (schnelle Item-Level-Restores), Glacier IR für ältere — das gestaffelte Modell spielt hier seine Stärke aus. Alternativ Wasabi, wenn man die 90-Tage-Mindestlaufzeit toleriert.

Szenario C: TrueNAS-Replikation als zweite Offsite-Schiene

  • Datenmenge: 50 TB
  • Restore-Frequenz: Selten, im Worst Case “Datacenter weg”
  • Aufbewahrung: Snapshot-Kette des TrueNAS

Empfehlung: Storj / iX-Storj. Die dezentrale Architektur bietet strukturelle Redundanz, der Preis pro TB ist konkurrenzfähig, die Integration in TrueNAS nativ. Bei wirklich großen Datenmengen lohnt sich der Vergleich mit AWS S3 Glacier Deep Archive — der ist bei sehr selten zugegriffenen Daten konkurrenzlos günstig.

Was die Auswahl wirklich entscheidet

Aus unserer Beratungspraxis:

  1. Restore-Häufigkeit ist der wichtigste Faktor — bei häufigen Restores wird Egress zur dominanten Kostenposition
  2. EU-Standort ist nicht verhandelbar, sobald personenbezogene Daten oder Berufsgeheimnisse im Spiel sind
  3. API-Reife zählt — wir hatten in der Vergangenheit Edge-Cases bei jüngeren S3-Implementierungen, die mit klassischen Backup-Tools nicht ideal harmoniert haben
  4. Mindest-Storage-Time ist die häufigste Falle für Anwender, die “günstig” nur am Storage-Preis festmachen
  5. Compliance-Zertifikate brauchen die wenigsten KMU formal, beruhigen aber bei Audits

Konfigurations-Tipps

  • Object-Lock aktivieren — mindestens “Governance Mode” für 30 Tage als Ransomware-Schutz
  • Lifecycle-Policy nutzen — alte Versionen automatisch in günstigere Tiers schieben (besonders bei AWS)
  • Bucket-Versioning — sonst hat ein versehentliches “Backup löschen” katastrophale Wirkung
  • Multi-Factor-Delete — entscheidende Sicherung gegen kompromittierte API-Keys
  • Eigene Verschlüsselung clientseitig — auch wenn der Provider verschlüsselt, ist Client-Side-Encryption die saubere Variante

DATAZONE-Empfehlung

Wir richten Cloud-Backup für unsere Kunden meist mit einer Multi-Provider-Strategie ein: Primär ein Provider, der zu Workload und Standort passt, sekundär (für kritische Datenbestände) ein zweiter — auf einem anderen Provider, in einer anderen Region. Das schützt nicht nur gegen Hardware-Ausfälle, sondern auch gegen Anbieter-Insolvenzen oder API-Inkompatibilitäten nach einem Provider-Update.

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Quellen

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