Fernwartung Download starten

AdGuard Home: DNS-Filterung im Unternehmen

DNSSecurityNetzwerkOPNsense
AdGuard Home: DNS-Filterung im Unternehmen

DNS-Filterung ist eine der wirkungsvollsten und gleichzeitig billigsten Sicherheitsmaßnahmen, die ein KMU einsetzen kann. Mehrere unabhängige Studien zeigen, dass ein Großteil der ersten Verbindung bei Malware-Infektionen über DNS-Auflösung läuft — und genau dort, am Resolver, lässt sich der Schaden frühzeitig unterbinden. In SOHO-Setups ist Pi-hole das populäre Werkzeug. Im KMU-Umfeld setzt sich zunehmend AdGuard Home durch: mit moderner Web-UI, eingebauter HTTPS-Verschlüsselung, DNSSEC und einer aktiv gepflegten Filterlisten-Infrastruktur. In diesem Artikel: Wann lohnt sich AdGuard Home? Wie integriert es sich mit OPNsense? Und wann reicht der eingebaute Unbound-Resolver der Firewall?

Was AdGuard Home leistet

AdGuard Home ist ein Open-Source-DNS-Resolver, der zwischen Endgeräten und dem Upstream-DNS sitzt. Hauptfunktionen:

FunktionBedeutung
Blocklist-EngineTausende Domains aus Hosts-File-/AdGuard-Listen werden geblockt
DNSSEC-ValidierungManipulationsschutz auf DNS-Ebene
DoT/DoH/QUICUpstream verschlüsselt zu Quad9, Cloudflare, NextDNS etc.
Per-Client-RegelnAndere Filter für Kinderzimmer, Gäste-WLAN, Server-VLAN
Query-LogWelcher Client hat wann was abgefragt?
Statistik & DashboardTop-Domains, Top-Clients, geblockte Anfragen
Custom DNS RecordsLokale Hostnamen ohne Active Directory

Wer eine Demo sehen will: AdGuard Home zeigt die geblockten Anfragen im Log direkt mit Quelle der Blocklist — das ist im Audit-Fall Gold wert.

Welche Blocklists?

Die wichtigste Entscheidung ist nicht “AdGuard Home oder Pi-hole” — sondern: welche Filterlisten. Wir empfehlen für den KMU-Einsatz eine konservative Auswahl:

ListeZweckRisiko von Fehl-Treffern
AdGuard Base FilterWerbung allgemeinSehr niedrig
AdGuard Tracker ProtectionWeb-Tracker, TelemetrieNiedrig
Quad9 Threat Intelligence (über Upstream-DoT)Malware-, C2-, Phishing-DomainsSehr niedrig
OISD Blocklist SmallAggregierte Blocklist, qualitätskontrolliertNiedrig
HaGeZi LightAggregierte Light-VarianteNiedrig

Was wir nicht empfehlen in der Firmenumgebung:

  • “Ultra”-Listen mit hohem Aggressivitäts-Level → bricht regelmäßig SaaS- und ERP-Integrationen
  • Social-Media-Block-Listen → meist eher HR- als Security-Thema
  • “Adult Content”-Listen → gehört in eine getrennte Content-Filter-Schicht (z.B. OPNsense ZenArmor)

Die gleiche Liste wie Quad9 als Threat-Intelligence-Quelle zu nutzen ist möglich — entweder über DoT zu Quad9 als Upstream oder über direkten Bezug der Quad9-Liste, falls man die volle Kontrolle behalten will.

Architektur in OPNsense-Umgebungen

Wir betreiben AdGuard Home typischerweise nicht auf OPNsense selbst, sondern daneben — als eigene VM oder LXC auf Proxmox. Gründe:

  • Trennung der Aufgaben: Firewall macht Routing/Filter, DNS-Resolver macht DNS-Resolver
  • Updates entkoppelt: OPNsense-Update bricht AdGuard nicht
  • Ressourcen kalkulierbar: AdGuard nutzt CPU/RAM unabhängig vom Firewall-Pfad

Das Setup im Überblick:

Endgeräte → DHCP gibt OPNsense als DNS aus

OPNsense Unbound (Forward-Mode)

AdGuard Home (Filter + Resolver)

Upstream: Quad9 DoT (oder Cloudflare DoH)

OPNsense bleibt der per-DHCP ausgelieferte DNS-Server — so funktionieren auch interne Hostnamen, Reverse-DNS und die Firewall-Aliases mit FQDN. Unbound auf OPNsense ist im Forward-Mode zu AdGuard konfiguriert; AdGuard übernimmt die Filterung und Upstream-Verschlüsselung.

Alternativ: Endgeräte zeigen direkt auf AdGuard und AdGuard kennt lokale Override-Einträge. Funktioniert ebenfalls, aber dann übernimmt AdGuard auch die Auflösung lokaler Hostnamen — was die Web-UI mit Statistiken über lokale Service-Discovery verschmutzt.

Installation als LXC auf Proxmox

Schlankester Weg: AdGuard Home in einem Debian-LXC mit 1 vCPU und 512 MB RAM. Das reicht für hundert Endgeräte locker.

# In der LXC nach Standard-Debian-Setup
wget https://static.adguard.com/adguardhome/release/AdGuardHome_linux_amd64.tar.gz
tar xzf AdGuardHome_linux_amd64.tar.gz
cd AdGuardHome
./AdGuardHome -s install

Erste Web-UI ist auf Port 3000 erreichbar, danach umkonfigurierbar auf Port 80/443. TLS-Zertifikat aus dem internen Let’s-Encrypt-Setup oder von OPNsense ACME beziehen — wer keine HTTPS-UI möchte, sollte den Zugriff per VLAN-Filter auf die IT-Subnetz-Range einschränken.

Für Hochverfügbarkeit: Zwei AdGuard-Instanzen auf zwei Proxmox-Nodes, OPNsense Unbound forwarded an beide. AdGuard selbst hat keine eingebauten Cluster-Mechanismen, aber zwei unabhängige Instanzen mit identischer Konfiguration reichen für die Praxis — Sync-Tool wie AGH-Sync kann optional die Listen abgleichen.

Vergleich: AdGuard Home, Pi-hole, OPNsense Unbound

AspektAdGuard HomePi-holeOPNsense Unbound (Blocklists)
Web-UIModern, JSON-API, dark modeKlassisch, gewohntIn OPNsense GUI integriert
Per-Client-RegelnJa, granularJa, ab v6Eingeschränkt
DoT/DoH UpstreamEingebautPlug-in/ManuellÜber cloudflared/stubby
StatistikSehr gutSehr gutMinimal
Update-KomfortSingle Binaryapt/ContainerOPNsense-Update
Eigene Hardware nötigLXC/VM, kleinRaspberry Pi reichtKeine zusätzliche
Multi-TenantPer-ClientPer-Client (v6)Nein
MehrsprachigJa, gut gepflegtJaDeutsch teilweise

Pi-hole ist gerade im SOHO- und Home-Lab-Bereich das vertraute Werkzeug. Im KMU-Kontext gewinnt AdGuard Home oft an drei Punkten: native DoT/DoH-Unterstützung ohne Beiwerk, ein klares UI für IT-Verantwortliche, die nicht täglich damit arbeiten, und eine REST-API, über die sich Listen automatisiert pflegen lassen.

OPNsense Unbound mit Blocklist-Plug-in reicht für kleinste Umgebungen völlig aus — ein 10-Personen-Büro mit einer einfachen Blocklist-Konfiguration braucht keine separate AdGuard-Instanz. Die Trennung lohnt sich, sobald per-Client-Regeln, detaillierte Statistik oder ein zentrales Reporting gewünscht sind.

Datenschutz und Logging

Pragmatischer Hinweis: AdGuard Home loggt per Default jede DNS-Anfrage mit Quell-IP. Das ist betrieblich nützlich (Troubleshooting, Audit nach Vorfall), aber DSGVO-relevant, sobald die Quell-IP einer Person zuordenbar ist.

Empfehlung:

  • Query-Log-Aufbewahrung auf 24h oder 7 Tage begrenzen
  • Anonymisierung über AdGuard-Einstellung “anonymize client IPs” aktivieren, sobald nicht für aktive Diagnose gebraucht
  • Betriebsvereinbarung mit Betriebsrat klären, was geloggt wird
  • Audit-Modus für Sicherheitsvorfälle: kurzfristig volles Logging einschalten, danach wieder reduzieren

Eine zentral installierte DNS-Filterung ist DSGVO-konform betreibbar — sie braucht aber dokumentierte Logging-Praxis.

Wann lohnt sich AdGuard Home konkret?

  • 5–50 Mitarbeiter, OPNsense im Einsatz: AdGuard Home als LXC neben OPNsense — Standard-Empfehlung
  • 50–250 Mitarbeiter: AdGuard Home in zwei Instanzen für Redundanz, OPNsense forwarded
  • Größer als 250 Mitarbeiter, Active Directory dominant: AdGuard Home parallel zum AD-DNS, AD-DNS forwarded an AdGuard
  • Reines Home-Office / SOHO: Pi-hole oder direkt OPNsense Unbound mit Blocklist reicht

Verwandte Artikel:

Fazit

AdGuard Home ist 2026 das mit Abstand pragmatischste Werkzeug, um in einer mittelständischen IT-Umgebung eine zentrale DNS-Filterung aufzustellen — leichtgewichtig, übersichtlich, ohne Hersteller-Lock-in. Wer OPNsense bereits einsetzt, hat das Werkzeug-Set fast vollständig vor sich: eine LXC, eine Forward-Konfiguration, eine konservativ kuratierte Blocklist-Auswahl. Wir installieren das bei vielen Kunden in einem halben Tag und es läuft danach jahrelang unauffällig — was die beste Eigenschaft ist, die eine Sicherheitskomponente haben kann.

Quellen

Mehr zu diesen Themen:

IT-Beratung gewünscht?

Kontaktieren Sie uns für eine unverbindliche Beratung zu Proxmox, OPNsense, TrueNAS und mehr.

Jetzt Kontakt aufnehmen