Am 28. Oktober 2025 hat iXsystems TrueNAS SCALE 25.10 Goldeye veröffentlicht. Ziemlich genau ein Jahr später — und zwei Monate bevor der Nachfolger TrueNAS 27 Anfang Dezember 2026 GA wird — ist der richtige Moment für eine ehrliche Zwischenbilanz. Nicht die Marketing-Version, sondern die aus zwanzig produktiven Installationen bei DATAZONE-Kunden.
Dieser Artikel ist eine Praxis-Bilanz: was über die Monate wirklich stabil lief, wo wir im Betrieb nachsteuern mussten, wie Enterprise-Support und Community-Edition sich voneinander unterscheiden und welche Fragen jetzt vor dem Upgrade auf TrueNAS 27 anstehen. Als autorisierter iXsystems-Partner in Bayern haben wir Zugang zu den gleichen Support-Kanälen wie unsere Enterprise-Kunden — die Einordnung ist entsprechend ehrlich, aber konstruktiv.
Der Rahmen: was wir in einem Jahr Goldeye gesehen haben
Unsere Installationsbasis mit TrueNAS 25.10 reicht von kleinen Mini-R-Systemen für Homeoffice-Setups bis zu redundanten M-Serie-Clustern mit NVMe-oF. Dazwischen liegen klassische R-Serie-Boxen bei mittelständischen Fertigern, F-Serie-Flash-Nodes für Virtualisierungs-Backends und ein paar Community-Edition-Installationen auf Eigenbau-Hardware. Die Mischung ist bewusst: wir sehen Goldeye nicht nur in einer Nische, sondern über die Bandbreite dessen, was iXsystems für die Plattform vorgesehen hat.
Die meisten dieser Systeme sind entweder mit Goldeye direkt in Produktion gegangen oder im Laufe des Jahres von 24.10 Electric Eel migriert worden. Das heißt, wir haben sowohl den Greenfield- als auch den Upgrade-Pfad belastet gesehen. Keines der Systeme hatte im Jahr einen Datenverlust. Zwei hatten Hardware-bedingte Ausfälle, einer eine Konfigurationsfalle, die uns zweimal einen Montagvormittag gekostet hat. Dazu gleich mehr.
Was im Betrieb über ein Jahr wirklich rund lief
Fangen wir mit dem Positiven an, weil das die Mehrheit der Beobachtung ausmacht: Goldeye ist in der Breite ein ausgesprochen stabiles Release. Die Kernfunktionen — ZFS, SMB, NFS, iSCSI, Snapshots, Replikation — laufen unauffällig. Unauffällig ist in einem Storage-Betriebssystem genau das, was man will. Von den rund zwanzig Systemen hatten wir im Jahr genau zwei ungeplante Reboots, beide ausgelöst durch Hardware (einmal RAM, einmal ein Mainboard-Defekt). Das Betriebssystem selbst hat keinen einzigen Panic produziert.
NVMe-over-Fabrics in der Praxis
NVMe-oF über TCP in der Community Edition und mit RDMA in Enterprise war 2025 das Highlight-Feature. In unserer Praxis haben zwei Kunden das aktiv eingesetzt — einmal für ein Proxmox-Cluster-Backend auf 100 GbE, einmal für ein VMware-Setup mit 25 GbE. Beide Installationen laufen seit über zehn Monaten stabil, die Performance-Zahlen bleiben bewusst unter Verschluss, weil wir keine synthetischen Benchmarks publik machen, die wir nicht selbst in jeder Kundenumgebung reproduzieren können. Die Kurzfassung: für den beabsichtigten Zweck taugt es, und der Konfigurationsaufwand war überschaubar.
Replikation zwischen Standorten
Verschlüsselte Replikation von Datasets zwischen Primär- und Backup-Standort ist bei knapp zwei Dritteln unserer Kunden im Einsatz. Das lief über das Jahr erfreulich geräuschlos. Die wenigen Probleme, die wir hatten, waren Netzwerk-bedingt — abgerissene VPN-Tunnel, DNS-Umstellungen auf Kundenseite — nicht TrueNAS-seitig. Snapshot-Policies mit abgestuften Retention-Zeiten funktionieren wie beschrieben, und das Resümee bei Wiederherstellungstests war durchweg positiv.
Das neue Dashboard und UI
Die überarbeitete Oberfläche aus Goldeye hat sich im Alltag bewährt. Admins, die vorher mit 24.10 gearbeitet hatten, waren innerhalb weniger Tage drin. Neueinsteiger — und davon hatten wir im Jahr einige, insbesondere Kunden, die von Synology oder QNAP migriert sind — finden die wichtigsten Funktionen deutlich schneller als in den Vorgängerversionen. Das ist keine kleine Sache: UI-Lernkurve ist in jedem Projekt ein unterschätzter Zeitfresser.
Wo wir nachsteuern mussten: die ehrlichen Fallstricke
Jetzt die andere Seite. Goldeye war nicht fehlerfrei, und wir hätten uns in zwei, drei Punkten eine schnellere Reaktion aus Santa Clara gewünscht.
Der Apps-Katalog in den ersten Monaten
Der neue Apps-Katalog mit dem umgebauten Container-Backend war in den ersten zwei bis drei Monaten nach Release spürbar unruhig. Einzelne Apps aktualisierten sich nicht sauber, bei einem Nextcloud-Setup mussten wir nach einem Minor-Update manuell nachhelfen, und die Logs waren zeitweise schwerer zu lesen als gewohnt. Mit den Dot-Releases 25.10.1, 25.10.2 und spätestens 25.10.4 hat sich das deutlich entspannt. Wer heute ein frisches System aufsetzt, merkt davon nichts mehr. Wer sechs Monate vorher einstieg, hat ein paar Abende investiert. Lerneffekt für uns: bei einem Major-Release warten wir künftig für produktive App-Workloads das zweite oder dritte Dot-Release ab und setzen die ersten Wochen gezielt Community-Systeme ein, um Erfahrungen zu sammeln.
Ein Konfigurations-Thema, das uns zweimal erwischt hat
Bei zwei Kunden hatten wir unabhängig voneinander dasselbe Phänomen: ein ZFS-Dataset mit sehr spezifischen Vererbungseinstellungen für SMB-ACLs reagierte nach einem Update anders als vorher dokumentiert. Konkret wurden bestimmte Berechtigungen in den Child-Datasets nicht mehr sauber vererbt, was in gewachsenen Freigabestrukturen für Verwirrung sorgt. Das war kein Bug im klassischen Sinn, sondern eine Verhaltensänderung, die in den Release Notes nicht ausreichend hervorgehoben war. Mit dem iXsystems-Support haben wir das sauber aufgelöst — die Antwortzeit war im Enterprise-Support beide Male unter zwei Stunden — aber es ist der Typ Fallstrick, den man eigentlich vermeidet, wenn das Release Notes gründlich dokumentiert sind.
Secure Boot und ältere VMs
Secure Boot für virtuelle Maschinen ist eine gute Idee, aber bei älteren Linux-VMs, die vorher ohne liefen, war der Umstellungsprozess holpriger als nötig. Für Windows-Gäste war es unauffällig, für CentOS-7-Legacy-Workloads bei einem Fertigungskunden mussten wir eine spezifische Boot-Konfiguration bauen. Nichts, was ein Admin nicht lösen kann, aber ein Zeitfresser, wenn die Zielgruppe heterogen ist.
Enterprise-Support versus Community: wo liegt der Unterschied
Eine Frage, die wir in Beratungsgesprächen am häufigsten hören. In unserer Praxis sieht das so aus:
Enterprise-Support bei iXsystems bedeutet in erster Linie zwei Dinge: garantierte Reaktionszeiten für Severity-eingestufte Tickets und Zugang zu Hotfixes vor der öffentlichen Veröffentlichung. Letzteres war im Jahr dreimal relevant — jeweils, wenn ein Problem bei einem Kunden auftrat, für das in der Pipeline bereits eine Fix-Version existierte. Die Reaktionszeiten in unserer Erfahrung lagen bei Severity 2 und 3 regelmäßig unter zwei Stunden, bei Severity 1 unter einer Stunde.
Community-Edition-Nutzer bekommen den gleichen Code und die gleichen Features bis auf NVMe-oF-RDMA und VM-HA-Failover. Was fehlt, ist das Ticketsystem. Für Homelab, kleine Non-Profit-Setups und Entwicklungsumgebungen ist das völlig in Ordnung. Für produktive KMU-Umgebungen mit Umsatzrelevanz empfehlen wir Enterprise-Support — nicht aus Dogmatik, sondern weil die Rechnung in einem einzigen echten Störfall aufgeht. Wie wir unsere Kunden beim Support begleiten, haben wir hier beschrieben.
Partnerzugang und was er in der Praxis bedeutet
Als autorisierter iXsystems-Partner in Deutschland haben wir eine Zwischenebene: wir können Tickets im Namen von Kunden eröffnen, bekommen Pre-Release-Informationen und sitzen regelmäßig in technischen Calls mit dem Engineering-Team. Das heißt nicht, dass wir Zauberei vollbringen können — aber wir reduzieren oft die Zahl der Rückfragen zwischen Kunde und Hersteller, weil wir das Setup im Detail kennen und das Problem für den Support vorsortieren.
Hardware-Beobachtungen aus einem Jahr Goldeye
Zur Hardware kurz und sachlich: die aktuellen Mini-R-, F-Serie-, R-Serie- und M-Serie-M30/M40-Systeme laufen mit Goldeye unauffällig. Die M50 und M60 sind inzwischen EOL und sollten für Neuprojekte nicht mehr gewählt werden — Bestandsgeräte bekommen weiter Updates, aber wer neu plant, nimmt M30 oder M40.
Für die konkrete Hardware-Auswahl ist unser TrueNAS-Konfigurator der schnellste Weg, Pool-Größen, Netzwerk-Interfaces und Replikationstopologien einmal durchzurechnen. Fertige Preise nennen wir dort nicht fest, weil Komponentenpreise sich im Quartalstakt bewegen; stattdessen bekommen Interessenten einen aktuellen Preisrahmen oder ein individuelles Angebot.
Vorbereitung aufs 27-Upgrade: was jetzt sinnvoll ist
TrueNAS 27 kommt Anfang Dezember 2026 als GA. Für den Großteil unserer Goldeye-Installationen heißt das nicht sofortiges Upgrade. Unsere interne Empfehlung für produktive Systeme: 27.0 beobachten, 27.0.1 oder 27.0.2 testen, 27.0.3 produktiv einplanen — also realistisch Q1 bis Q2 2027. Für Community-Edition-Setups und Testsysteme kann das Upgrade früher kommen, speziell wenn eins der 27er Features konkret gebraucht wird.
Checkliste vor dem Umstieg
Was sich in Vorbereitung aufs 27-Upgrade immer lohnt — unabhängig von der konkreten Entscheidung, wann es stattfindet:
- Konfiguration exportieren: System → General → Save Config. Das ist elementar und wird regelmäßig vergessen.
- Pool-Status prüfen: alle Pools healthy, Resilver-Historie sauber, Scrub-Zyklen aktuell. Ein Upgrade startet man nie auf einem degradierten Pool.
- App-Katalog dokumentieren: welche Apps laufen in welcher Version, mit welchen persistenten Volumes. Das vermeidet Suchen, falls nach dem Upgrade eine App neu angelegt werden muss.
- Replikationsziele validieren: wenn ein Zweitstandort als Rückfallebene dienen soll, muss der aktuell und frisch repliziert sein.
- Hardware-Kompatibilität prüfen: die TrueNAS-27-Release-Notes werden definieren, welche älteren Controller und Netzwerkkarten noch unterstützt werden. Für Bestandshardware ist das die zentrale Prüfung.
Für Enterprise-Kunden bieten wir das als strukturiertes Upgrade-Projekt an — inklusive Testlauf auf einem gespiegelten System, bevor das produktive Gerät angefasst wird. Mehr zum Thema IT-Service rund um TrueNAS findet sich hier.
Fazit nach einem Jahr: solide Basis mit kleinen Narben
TrueNAS SCALE 25.10 Goldeye war und ist ein gutes Release. Es ist nicht fehlerfrei, aber die Fehler, die wir gesehen haben, waren beherrschbar, dokumentierbar und mit Herstellerunterstützung lösbar. Die Kernfunktionen — ZFS-Integrität, Snapshots, Replikation, SMB/NFS/iSCSI — haben in zwanzig Installationen ein Jahr geliefert, ohne dass wir uns ernsthaft Sorgen machen mussten. Die neuen Features (NVMe-oF, Secure Boot für VMs, überarbeitetes Dashboard) sind in der Breite ebenfalls stabil, mit dem Apps-Katalog als einziger größerer Startschwäche.
Für den Weg zu TrueNAS 27 heißt das: Goldeye ist eine solide Ausgangsbasis. Wer heute auf 25.10.6 ist und seine Infrastruktur ordentlich dokumentiert hat, kann das 27er Upgrade entspannt angehen, wenn das zweite oder dritte Dot-Release draußen ist. Für Neuinstallationen bis Jahresende empfehlen wir weiterhin Goldeye — eine produktive Umgebung baut man nicht auf einem Release, das noch keine zwei Wochen GA ist.
Wenn du für dein Setup eine fundierte Zweitmeinung brauchst — ob zu Upgrade-Pfad, Hardware-Auswahl oder Support-Modell — melde dich bei uns. Wir haben die Fälle gesehen, in denen Dinge glatt liefen, und die, in denen wir am Abend noch den Hersteller mit ins Boot geholt haben. Beides fließt in die Beratung ein.
FAQ
Lohnt sich der Umstieg von TrueNAS 24.10 Electric Eel auf 25.10 Goldeye jetzt noch?
Ja, grundsätzlich schon. Goldeye bringt in der aktuellen Dot-Version 25.10.6 die Vorteile aus einem Jahr Bugfixing mit. Wer heute noch auf 24.10 ist, sollte den Umstieg auf 25.10.6 planen, bevor TrueNAS 27 GA wird — damit startet man den nächsten Upgrade-Zyklus von einer sauber dokumentierten Basis. Für Enterprise-Kunden begleiten wir diesen Schritt als strukturiertes Projekt.
Welche TrueNAS-Hardware ist für einen Neueinsatz mit Goldeye aktuell sinnvoll?
Für kleinere Setups und Homeoffice-Szenarien die Mini-R-Linie, für mittlere KMU-Umgebungen die R-Serie oder F-Serie bei Flash-Bedarf, für High-End-Projekte die M30 oder M40. Die M50 und M60 sind EOL und nicht mehr für Neuprojekte vorgesehen — Bestandsgeräte bekommen weiter Updates, aber die Produktpflege ist eingestellt. Konkrete Konfigurationen lassen sich im TrueNAS-Konfigurator durchrechnen.
War der Apps-Katalog in Goldeye wirklich ein Problem?
In den ersten zwei bis drei Monaten nach Release: ja, in Teilen. Einzelne Apps aktualisierten sich nicht sauber, die Logs waren weniger lesbar als gewohnt, und bei komplexeren Setups wie Nextcloud mussten wir mehrfach manuell nachhelfen. Spätestens mit 25.10.4 ist das ausgestanden. Wer heute neu einsteigt, merkt davon nichts mehr.
Wann sollte man auf TrueNAS 27 upgraden?
Für produktive Systeme empfehlen wir, 27.0 zu beobachten und auf 27.0.2 oder 27.0.3 zu warten — realistisch Q1 bis Q2 2027. Für Community-Edition- und Testsysteme kann das Upgrade früher erfolgen, besonders wenn ein konkretes 27er Feature gebraucht wird. Mehr Hintergrund dazu steht in unserer Einordnung zum TrueNAS-27-Release.
Lohnt sich Enterprise-Support bei iXsystems, wenn man nur eine kleine Umgebung betreibt?
Das hängt von der Umsatzrelevanz des Storage ab, nicht von der Größe des Systems. Ein 20-Terabyte-System in einer Anwaltskanzlei, bei dem ein Tag Ausfall sofort Umsatzausfall bedeutet, rechtfertigt Enterprise-Support genauso wie ein 300-Terabyte-Fertigungssetup. Für reine Testsysteme und Homelabs ist die Community Edition absolut ausreichend.
Was macht DATAZONE als iXsystems-Partner konkret anders als ein reiner Hardware-Händler?
Wir verkaufen die gleiche Hardware wie andere autorisierte Partner — aber wir setzen sie auch auf, migrieren Bestandsdaten, bauen Replikationsziele auf und begleiten die Systeme im laufenden Betrieb. Dazu haben wir direkten Zugang zu Engineering- und Support-Kanälen bei iXsystems, was in echten Störfällen den Unterschied zwischen Stunden und Tagen macht. Mehr dazu auf unserer TrueNAS-Support-Seite.
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