Am 17. Juni 2026 hat iXsystems die zweite öffentliche Beta von TrueNAS 26 “Halfmoon” veröffentlicht. Beta 1 lag exakt zehn Wochen zurück (7. April 2026), und in dieser Zeitspanne ist erstaunlich viel passiert — wenn auch nichts davon “Headline-Feature”. Beta 2 ist ein klassisches Stabilisierungs-Release: viele kleine Bugfixes, geschliffene Webshare-Workflows, ein deutlich rundenderes Ransomware-Detection-Modul und sichtbare Fortschritte bei der V-Series-Optimierung.
Wir hatten Anfang Mai bereits eine erste Einordnung von Halfmoon Beta 1 geschrieben. Dieser Artikel macht da weiter, wo der vorige aufgehört hat: Was hat sich seit Beta 1 konkret bewegt, und was bedeutet das für unsere KMU-Kunden?
Beta 2 in einem Satz
Beta 2 bringt keine neuen Features im strikten Sinne, sondern härtet die Beta-1-Features für den GA-Pfad ab. Wer Beta 1 schon getestet hat, kann ohne Pool-Neuformatierung upgraden; wer Halfmoon zum ersten Mal anfasst, bekommt jetzt eine deutlich runder funktionierende Beta-Erfahrung.
Bugfixes — was real schmerzhaft war
Die offiziellen Release Notes listen über 200 Tickets, die zwischen Beta 1 und Beta 2 geschlossen wurden. Die für uns in KMU-Kontexten relevantesten:
- SMB-Multichannel-Stabilität: Beta 1 hatte einen Regression-Bug, bei dem unter sehr hoher SMB-Last (mehrere parallele Multichannel-Sessions auf der V-Serie) gelegentlich der Channel-Bind ausfiel und Clients in den Single-Channel-Fallback rutschten. Beta 2 fixt das.
- NFSv4-ACL-Verhalten beim Wechsel von SMB- auf NFS-Zugriff: Beta 1 setzte unter bestimmten Bedingungen die ACL-Vererbung falsch um. Beta 2 stellt das alte (korrekte) 25.10-Verhalten wieder her.
- Replikations-Resume nach Netzwerkabbruch: Ein nerviger Bug, bei dem Replikationen nach einem 30-Sekunden-Linkdown nicht automatisch resumed haben, ist gefixt. Das hat in Beta 1 manuelle Re-Starts erfordert.
- WebUI-Performance mit Pools, die mehr als 500 Datasets enthalten: die UI-Last ist messbar besser, das Dataset-Tree öffnet sich schneller.
- App-Catalog-Migration: Apps, die in 25.10 unter dem alten Container-Stack liefen, migrieren jetzt sauberer auf die Halfmoon-App-Plattform — Beta 1 hatte hier Edge-Cases mit Volumes, die manuelles Eingreifen verlangten.
Diese Fixes klingen unspektakulär, sind aber genau die Sorte Probleme, an denen Beta-Tests in der Praxis scheitern. Wer Beta 1 angesehen und wieder weggelegt hatte, weil das Setup zu fragil wirkte: Beta 2 ist deutlich runder.
V-Series-Optimierung
Die V-Serie mit Tri-Mode-Backplane ist das Top-End-Modell der TrueNAS-Linie und gleichzeitig die Plattform, auf der iX in Halfmoon am meisten optimiert. Beta 2 bringt:
- NVMe-Discovery-Logik: Die Logik, mit der Halfmoon die Front-Bays als SAS oder NVMe erkennt, ist robuster geworden. Beta 1 hatte Edge-Cases bei gemischten Bestückungen (z.B. 12 SAS-HDD + 12 Gen4-NVMe in einer V160-Hybrid-Konfiguration), die zu falschen Bay-Labels in der WebUI führten.
- Special-VDEV-Migration: Wer einen V-Series-Pool von einer Bulk-Only-Konfiguration auf Hybrid mit Special-VDEV umstellt, hat in Beta 2 eine deutlich glattere Migration. Der Workflow ist im Konfigurations-Assistenten besser dokumentiert.
- 400-GbE-Multi-Queue-Tuning: Default-Queue-Verteilung für 400-GbE-NICs ist überarbeitet — die NIC-CPU-Affinität wird automatisch nach NUMA-Topologie verteilt, statt wie in Beta 1 nur auf CPU0.
Für Kunden mit V-Serie-Plänen ist das relevant, weil Beta 2 zum ersten Mal ein realistisches Performance-Bild abgibt. Wir spielen aktuell mit einer Test-V140 unter Beta 2 und sehen deutlich stabilere Latenzprofile als unter Beta 1 — quantitative Aussagen sparen wir uns hier bewusst, weil iX selbst die offiziellen Performance-Zahlen erst zum GA freigibt.
OpenZFS 2.4 — Stabilisierung statt neuer Features
Der OpenZFS-2.4-Branch ist in Beta 2 auf einen aktuelleren Patchlevel gezogen. Wichtigste Veränderungen aus KMU-Sicht:
- AnyRaid-Edge-Cases bei Pools mit mehr als drei verschiedenen Drive-Größen sind adressiert. Beta 1 hatte einen Bug, bei dem die kleinste Drive-Klasse unter bestimmten Bedingungen falsch in die Effektivkapazität gerechnet wurde.
- BRT (Block Reference Table) ist in Beta 2 default-aktiv für neue Datasets — Beta 1 hat das noch als Opt-in geführt. Für VM-Cloning- und Database-Refresh-Workloads ist das spürbar.
- Scrub-Performance auf großen Pools: Der Scrub-Durchsatz für Pools jenseits 1 PB ist messbar besser, weil die Resource-Scheduling-Logik zwischen Scrub und User-IO neu balanciert ist.
- dRAID-Resilver: dRAID-Resilver-Pfade sind in Beta 2 stabiler. Wer auf der M-Serie oder V-Serie dRAID einsetzt, profitiert.
Wichtig: All das sind Stabilisierungen, keine neuen Feature-Flags. Pools, die unter Beta 1 mit OpenZFS 2.4 erstellt wurden, sind unter Beta 2 unverändert nutzbar. Aber: ein Rollback auf 25.10 (OpenZFS 2.3) bleibt für 2.4-Pools weiterhin ausgeschlossen — Standard-ZFS-Verhalten, kein Halfmoon-Spezifikum.
WebShare 2.0 — jetzt produktionsnah
In Beta 1 war WebShare 2.0 zwar funktional, aber an mehreren Stellen halbgar: die Volltextsuche brauchte ewig beim ersten Index-Aufbau, Vorschauen für Office-Dokumente waren inkonsistent, und die Audit-Log-UI hatte spürbare Lücken bei der Filterung.
Beta 2 räumt das aus:
- Inkrementelle Index-Aufbau: Statt einer Komplett-Indizierung beim ersten Start läuft jetzt ein Hintergrund-Indexer, der die Last über mehrere Stunden verteilt. Auf einem Dataset mit ein paar Millionen Files ist das ein echter Komfort-Gewinn.
- Office-Preview-Konsistenz: PowerPoint-Folien und Excel-Tabellen werden jetzt einheitlich gerendert. In Beta 1 gab es bei manchen .pptx-Dateien Layout-Bruch.
- Audit-Log-Filter: Filter nach Nutzer, Aktion (download/upload/delete) und Zeitraum funktioniert jetzt sauber. Wichtig für DSGVO-Protokollierung und NIS2-Nachweise.
- Permalink-API: Die Permalink-Logik (Links bleiben stabil bei Dataset-Rename) ist jetzt offiziell dokumentiert — Drittsysteme können sie nutzen.
Wer WebShare evaluiert hat und an den Beta-1-Limits gescheitert ist, sollte sich Beta 2 noch einmal ansehen. Es ist nicht “fertig”, aber es ist nutzbar.
Ransomware-Detection — Status
Die Ransomware-Detection-Engine war einer der Headline-Features von Beta 1. Beta 2 bringt:
- Reduzierte False-Positives: Beta 1 schlug bei legitimen Backup-Tools (Veeam, Restic) gelegentlich Alarm, weil deren Entropie-Muster Verschlüsselungswellen ähneln. Beta 2 hat eine Whitelist-Mechanik plus bessere Heuristik. False-Positives sind in unseren Tests deutlich runter, ohne dass die Detection abgestumpft wäre.
- Konfigurierbare Reaktions-Policy: Die Reaktion auf einen Detection-Hit ist jetzt feiner einstellbar. Beta 1 kannte im Wesentlichen nur “Alert” oder “Alert + Read-Only-Switch”. Beta 2 kann pro Dataset getrennt entscheiden: nur Alert (für Test-Datasets), Read-Only-Switch (für Productive-Datasets), oder Session-Kill (für sensitive Datasets).
- Forensik-Daten: Bei einem Detection-Event schreibt Halfmoon jetzt einen ausführlicheren Forensik-Trace ins Audit-Log — welche Files in welchem Zeitfenster mit welcher Entropie-Verteilung. Das hilft bei der Incident-Analyse.
Unsere Einordnung aus dem Beta-1-Artikel bleibt: Ransomware-Detection auf Storage-Ebene ist ein zusätzlicher Layer, kein Ersatz für Endpoint-Schutz, Immutable Backups oder die 3-2-1-Backup-Regel. Aber als zusätzlicher Layer ist sie in Beta 2 jetzt deutlich brauchbarer.
Was noch nicht GA-tauglich ist
Beta 2 ist eine Beta. Wir sehen weiterhin Themen, die für die finale 26.0 noch reifen müssen:
- App-Migration-Edge-Cases: Wer komplexe TrueNAS-Apps mit Custom-Volume-Mounts hat, sollte die Migration auf Halfmoon weiterhin auf einem Test-System durchspielen — es gibt noch Fälle, in denen die Migration manuelle Nacharbeit braucht.
- VMware-VAAI-Pfad: NFS-VAAI funktioniert, aber iX priorisiert sichtbar das Proxmox-Plugin. Wer noch im VMware-Stack ist, sollte für die finale 26-Enterprise-Version mehr Testlauf einplanen.
- Mehrsprachige WebUI: Die deutsche Übersetzung ist in Beta 2 noch lückenhaft. Reine englische WebUI funktioniert problemlos.
Klares Beta-Statement
Wir wiederholen, was wir schon im April geschrieben haben — bewusst und ohne Abschwächung:
Halfmoon Beta 2 gehört nicht in Produktion. Auch nicht “nur das eine Test-Dataset, das könnte ja nicht schief gehen”. Beta-Software bedeutet:
- Keine iX-Enterprise-Support-SLA
- Keine Garantie auf Upgrade-Pfad zum GA-Release ohne Pool-Operation
- Bekannte Issues, die jetzt akzeptabel wirken, können in Edge-Cases beißen
Sinnvolle Beta-2-Use-Cases:
- Dedizierte Test-Bench, isoliert vom Productive-Storage
- Vorbereitung auf eine geplante Hardware-Erneuerung im H2-2026 (z.B. neue V-Serie ankommen)
- Validierung des Ransomware-Detection-Verhaltens mit realer Workload-Last
- Replikations-Ziel für Backup-Streams aus dem Produktiv-25.10 — damit man den GA-Migrationspfad vorab durchgespielt hat
Was wir nicht empfehlen:
- Beta 2 als Primary-Storage für Kundendaten
- Beta 2 für Enterprise-SLA-relevante Systeme
- “Mal eben” Upgraden eines stabilen 25.10-Pools, ohne Testlauf
Ausblick GA
iX hat traditionell zwei bis drei Beta-Zyklen vor dem Enterprise-GA-Release. Mit Beta 2 als Stabilisierungs-Release und der typischen iX-Kadenz rechnen wir mit:
- Beta 3 oder Release Candidate: voraussichtlich August/September 2026
- TrueNAS 26.0 GA (Community/Scale-Variante): Spätsommer/Frühherbst 2026
- TrueNAS 26 Enterprise: typischerweise zwei bis vier Wochen nach GA, abhängig von Hardware-Validierung
Verbindliche Termine kommen ausschließlich von iXsystems. Wir aktualisieren diesen Artikel, sobald iX einen Release-Candidate-Termin verkündet.
DATAZONE-Empfehlung — Stand Juni 2026
- Neue Installationen in den nächsten 6–8 Wochen: Mit 25.10 Goldeye starten. 26 wird als In-Place-Update später dazukommen.
- Bestehende 25.10-Installationen mit Enterprise-Support: Auf 26 Enterprise warten. Kein Druck zum Upgrade.
- Beta-Tester und Hardware-Refresh-Planer: Beta 2 ansehen, gerne mit DATAZONE-Begleitung. Wir haben aktuell zwei Testsysteme unter Beta 2 und teilen Beobachtungen.
- Wer noch evaluiert (Synology/QNAP → TrueNAS): Mit 25.10 evaluieren, 26-Enterprise als Zielversion einplanen. Hardware-Auswahl heute über den TrueNAS-Konfigurator — Bestellung passend zum GA-Fenster.
Quellen und weiterführende Artikel
- TrueNAS Release Notes Hub (truenas.com) — offizielle Release-Notes
- Unser Beta-1-Artikel — Headline-Features im April
- OpenZFS 2.4: Was Anwender vom Update wirklich merken — Detail-Einordnung OpenZFS
- AnyRaid: gemischte Platten in einem Pool — Halfmoon-Feature im Detail
- TrueNAS-Konfigurator — passende Modellauswahl für GA-Migration
Wer aktive Migrations-Planung für H2-2026 angehen will: gerne direkt Kontakt — wir besprechen das Setup, prüfen den richtigen GA-Zeitpunkt und stellen eine herstellerneutrale Empfehlung zusammen.
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