Architekturbüros sind eine eigene Welt im KMU-Storage-Markt. Die Dateigrößen schwanken zwischen klein (Skizzen, Detailansichten) und sehr groß (Revit-Modelle, Renderings). Die Aufbewahrungspflichten sind lang (HOAI, BauO), und die Zusammenarbeit ist klassisch projektbezogen — mehrere Personen arbeiten gleichzeitig an einem Plan, oft mit Zulieferer-Beteiligung. Und über allem schwebt die Versionierungs-Frage: “Wo war eigentlich der Stand vom letzten Mittwoch, bevor das Tragwerk umgeplant wurde?”
Dieser Artikel beschreibt ein konkretes TrueNAS-Setup für ein typisches 10-15-Personen-Architekturbüro — auf Basis dessen, was wir bei DATAZONE in solchen Häusern einrichten.
Dateigrößen: Was tatsächlich anfällt
Eine ehrliche Größenordnung, basierend auf Beobachtungen aus Beratungspraxis:
| Dateityp | Typische Größe pro Datei | Wachstum |
|---|---|---|
| DWG (AutoCAD) | 5–50 MB | linear mit Projektkomplexität |
| IFC (BIM-Austausch) | 50–500 MB | Modell-Detailtiefe |
| Revit (.rvt) | 200 MB – 2 GB | komplette Gebäudemodelle |
| Archicad (.pln) | 100 MB – 1,5 GB | wie Revit |
| Renderings (Bild) | 50–500 MB | 4K-/8K-Rendering |
| Renderings (Animation) | 1–10 GB | längere Animationen |
| Punktwolken (3D-Scan) | 5–50 GB pro Scan | bei Bestandsaufnahmen |
Ein typisches Architekturbüro mit 10–15 Personen produziert in einem aktiven Jahr 2–5 TB Projektdaten, abhängig von BIM-Anteil und Rendering-Last. Über 10 Jahre Aufbewahrungspflicht summiert sich das auf 20–50 TB Live-Daten plus die gleiche Größenordnung an Backup-Kapazität.
Empfohlene Hardware: TrueNAS H20
Für die genannte Bürogröße ist die TrueNAS H20 ein gut sitzender Kompromiss:
- 12 Front-Bays für HDDs als Bulk-Speicher (typisch 8× 20 TB SATA als RAIDZ2 für ca. 100 TB netto)
- 2 NVMe-Bays für Special-VDEV/SLOG/L2ARC
- 10 GbE Onboard, optional 25 GbE für Renderfarm-Anbindung
- Hybrid-Pool: kleine Dateien (DWG, Office-Dokumente) landen auf NVMe-Special-VDEV, große Dateien (Renderings, Revit-Modelle) auf HDD-Bulk
Der entscheidende Punkt für Architektur-Workloads: Metadata-Performance. Wer 50.000 DWG-Dateien in einem Projektordner hat, profitiert massiv von einem Special-VDEV, das die Metadaten auf NVMe hält — das Browsen wird von “spürbar lahm” zu “wie auf SSD”.
Für sehr große BIM-lastige Büros (20+ Mitarbeiter, mehrere parallele Großprojekte) ist die H30 mit ihren 24 Bays und mehr NVMe-Cache eine sinnvolle Stufe darüber. Den passenden Vorab-Build empfehlen wir über den TrueNAS-Konfigurator.
SMB mit ACLs — der Zugriffs-Layer
Architekturbüros arbeiten typischerweise mit Projektgruppen — pro Projekt sind 3-6 Personen aktiv, plus optional externe Zulieferer (Tragwerksplaner, TGA, Fachplaner). Sinnvolle ACL-Struktur auf TrueNAS:
/projekte/
/2026-001-musterhaus/
/00_organisation/ (Projektleitung schreibend, alle lesend)
/01_planung/ (Architekten schreibend, alle lesend)
/02_konstruktion/ (Tragwerk schreibend, alle lesend)
/03_tga/ (TGA-Planer schreibend, alle lesend)
/04_dokumente/ (Projektleitung schreibend, externe Zulieferer lesend)
/05_archiv/ (nur lesend nach Projektabschluss)
Wichtig auf TrueNAS:
- NFSv4-ACLs aktivieren auf dem Dataset (nicht POSIX-Rechte)
- Vererbung sauber konfigurieren — neue Dateien erben die Ordner-ACL automatisch
- Schreibend gruppenbasiert, nicht userbasiert — Personalwechsel sind so einfacher
- Externe Zulieferer über separaten SMB-User mit nur den nötigen Projektordnern
Im TrueNAS Active Directory Join haben wir das ACL-Modell ausführlicher beschrieben.
ZFS-Snapshots als “Plan-Versionen”
Das ist der Killer-Use-Case für TrueNAS in Architekturbüros: Snapshots vor jedem Plan-Meilenstein.
Empfehlung für die Snapshot-Politik:
- Automatisch: täglich, 30 Tage Aufbewahrung
- Automatisch: wöchentlich, 12 Wochen Aufbewahrung
- Automatisch: monatlich, 24 Monate Aufbewahrung
- Manuell: vor jedem Plan-Meilenstein (Vorentwurf, Entwurf, Genehmigungsplanung, Ausführungsplanung, Bauausführung)
Manuelle Snapshots bekommen einen sprechenden Namen:
zfs snapshot tank/projekte/2026-001-musterhaus@2026-06-30_genehmigungsplanung_abgeschlossen
Der Vorteil: Wenn nach drei Wochen die Bauherrschaft sagt “der Tragwerksplaner hatte da was im Stand der Genehmigungsplanung, das anders war” — der Snapshot ist da, der Stand ist exakt rekonstruierbar, ohne dass es ein Versions-Chaos in den Dateinamen geben muss (fassade_v01_final_final_2.dwg).
Wichtig: Snapshots sind read-only Punkt-in-Time-Kopien auf demselben Pool. Sie ersetzen kein Backup — wenn der Pool ausfällt, sind die Snapshots auch weg. Snapshots sind ein Wiederherstellungs-Werkzeug, kein Backup.
Replikation zwischen Büro und HomeOffice
Viele Architekturbüros haben einen zweiten Standort oder eine HomeOffice-Praxis, in der gelegentlich auch große Dateien gebraucht werden. TrueNAS-Replikation deckt zwei Anwendungsfälle:
Anwendungsfall 1: Backup-Replikation zur Tochter
- Hauptbüro: TrueNAS H20 als Primary
- Filiale oder Backup-Standort: TrueNAS Mini X+ als Secondary
- Replikation nightly, Pull vom Secondary aus
- Snapshots werden mitrepliziert — auch die manuellen Meilenstein-Snapshots
- Auf der Secondary ist der Datenstand mit ein paar Stunden Verzögerung verfügbar
Anwendungsfall 2: HomeOffice-Cache
Schwieriger. Wer im HomeOffice gelegentlich an Großdateien arbeiten muss, hat drei Optionen:
- VPN + direkter SMB-Zugriff auf den Büro-TrueNAS — funktioniert für DWG/IFC, lahm für große Revit-Modelle
- Lokale Synchronisation mit Tools wie Syncthing oder einer NAS-Kopie zu Hause — riskant wegen Konflikten bei parallelem Zugriff
- Remote-Desktop zu einer Workstation im Büro — der pragmatischste Pfad für CAD/BIM-Arbeit
Wir empfehlen Variante 3 für anspruchsvolle CAD/BIM-Arbeit. Für reine Plan-Sichtung und Office-Dokumente reicht Variante 1.
Backup-Größenordnungen
Backup ist nicht Snapshot. Für ein 10-15-Personen-Architekturbüro mit 2-5 TB Aktivdaten und 20-50 TB Live-Bestand empfehlen wir die 3-2-1-Backup-Regel:
- 3 Kopien der Daten (Live + 2 Backups)
- 2 Medien — z.B. TrueNAS-Replikation + Cloud-Storage
- 1 Off-site — physisch getrennter Standort oder Cloud
Konkrete Umsetzung:
- TrueNAS H20 im Büro: Live + Snapshots (Wiederherstellung schnell, aber kein Backup)
- TrueNAS Mini X+ am Backup-Standort: nächtliche Replikation (zweiter physischer Speicher)
- Cloud-Storage (z.B. Wasabi oder Backblaze B2): wöchentlicher Sync ausgewählter Projektdaten + komplette monatliche Archive
- Immutable Layer auf der Cloud-Seite für Ransomware-Resilience
Budget-Ordnung: Backup-Cloud-Kosten für 30 TB liegen bei Wasabi unter 200 € im Monat — bezahlbar für jedes mittelgroße Büro.
Aufbewahrungspflichten — HOAI und BauO
Architekten unterliegen Aufbewahrungspflichten, die deutlich länger sind als die DSGVO-Standardfristen:
- HOAI § 3 Abs. 4: Auftraggeber-Unterlagen während Vertragslaufzeit, danach Übergabe
- BauO der Länder: typischerweise 5 Jahre für Statik und Brandschutz, länger bei besonderen Bauten
- Gewährleistung: 5 Jahre nach Bauabnahme — relevante Planungsdaten müssen verfügbar sein
- Archivierungspflicht des Bauherrn: zwar nicht zwingend beim Architekten, aber praktisch wird oft erwartet, dass dort weiter zugänglich
Praktischer Pfad in TrueNAS:
- Aktive Projekte: voller Live-Zugriff
- Abgeschlossene Projekte: in
/archiv/-Dataset, read-only, aber sofort online - Sehr alte Projekte (>10 Jahre): in Cold-Storage-Replikation, auf Anfrage online
Das vermeidet, dass die Hauptkapazität durch Archive zugemüllt wird, ohne dass Daten unerreichbar werden.
Typische TrueNAS-H20-Konfiguration
Konkrete Einsteiger-Konfiguration, die wir oft so verbauen:
- Chassis: TrueNAS H20 (12 Front-Bays + 2 NVMe)
- Pool: 8× 20 TB SATA HDD in RAIDZ2 → ca. 100 TB nutzbar, etwa 80 TB nach 80%-Slack-Regel
- Special VDEV: 2× 1,92 TB NVMe Mirror → für Metadata und Small-File-Optimization
- L2ARC: optional, oft nicht nötig wenn ARC ausreichend dimensioniert
- RAM: 64–128 GB ECC
- Netzwerk: 10 GbE LACP zu Core-Switch
- Snapshot-Schedule: täglich/wöchentlich/monatlich, manuell vor Meilensteinen
- Replikation: nightly zu Mini X+ am Backup-Standort
- SMB-Multichannel: für Workstations mit 2×1 GbE oder 10 GbE — bessere Throughput-Verteilung
Wer das durchrechnen will: der TrueNAS-Konfigurator bildet diese Konfiguration eins zu eins ab.
ZFS-Snapshots ergänzen DMS — ersetzen es nicht
Wichtige Klarstellung: Snapshots sind kein Dokumenten-Management-System. Sie haben:
- Punkt-in-Time-Versionen (was lag wann in welchem Ordner)
- Schnelle Wiederherstellung
- Geringe Speicherkosten (Copy-on-Write)
Sie haben nicht:
- Metadaten/Tags (“dieses ist der genehmigte Stand für die Behörde”)
- Workflow-Status (geprüft, freigegeben, archiviert)
- Verknüpfung mit Rechnungen, Verträgen, Korrespondenz
- Audit-Trail “wer hat was wann gesehen”
Wer ein DMS braucht (typisch ab ca. 15-20 Mitarbeitern oder bei zertifizierten Prozessen), nutzt etwas wie ELO, M-Files oder DocuWare zusätzlich zum TrueNAS-Storage. Das DMS lebt mit seinen Dokumenten auf demselben TrueNAS, profitiert aber von Snapshots als Wiederherstellungslayer.
DATAZONE-Empfehlung
Architekturbüros sind ein dankbarer Use-Case für TrueNAS. Die Kombination aus:
- großer Kapazität (Bulk-HDDs)
- schneller Metadata-Antwort (NVMe-Special-VDEV)
- Snapshots als Versionierungs-Werkzeug
- SMB mit AD-Integration für die Workstation-Welt
- Replikation für Backup-Standort
deckt 90% der Architektur-Anforderungen ab — zu einem Bruchteil der Kosten kommerzieller Vendor-Lösungen.
Wer von einer alten Synology/QNAP-Lösung migriert: der Pfad ist gut etabliert. Wir migrieren in der Regel in einem Wochenende ohne nennenswerte Downtime, mit voller Übernahme der Berechtigungsstruktur.
Quellen und weiterführende Artikel
- TrueNAS H-Serie Übersicht — Hardware-Details
- TrueNAS-Konfigurator — Konfiguration vorab durchspielen
- TrueNAS Active Directory Domain Join — ACL-Struktur und AD
- Vorteile von TrueNAS-Snapshots — Snapshot-Mechanik
- TrueNAS Snapshot Schedule Best Practices — Zeitplan-Empfehlungen
- 3-2-1-Backup-Regel für KMU — Backup-Strategie
- Immutable Backups gegen Ransomware — Resilience-Layer
- Cloud-Backup-Anbieter im Vergleich — Off-Site-Ziele
Wer eine konkrete Storage-Beratung für sein Architekturbüro will: gerne Kontakt aufnehmen — wir bringen Beispiele aus vergleichbaren Häusern mit.
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